Foto: David Bohmann

Wien startet Überwachung seiner Bienen

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20. Juli 2017, 15:14

Das "Babyfon für Bienen" soll das Bienensterben mittels Big Data verringern

Wien – Im Sommer leben in Wien rund 200 Millionen Bienen, insgesamt gibt es in der Bundeshauptstadt über 5.000 Bienenstöcke mit rund 40.000 Bienen pro Stock. Je nach Wetter und Bienenzahl produziert ein Bienenvolk rund 25 bis 40 Kilogramm Honig pro Jahr, den etwa 700 Imkerinnen und Imker ernten. Ihnen soll nun mithilfe eines Start-ups, das sich selbst als "Babyfon für Bienen" beschreibt, die Arbeit erleichtert werden.

In den Blumengärten Hirschstetten gibt es seit zehn Jahren ein Bienenhaus, vier Bienenvölker und Bienenwiesen. Der Schulgarten Kagran beherbergt drei Bienenvölker, ebenso das Landgut Wien-Cobenzl. Seit dem Sommer 2013 fliegen die Bienen zudem in Aspern, der Seestadt Wiens.

Die Bienenstöcke auf dem Dach des Technologiezentrums Seestadt stehen seit Donnerstag unter Beobachtung: Unter ihren Stöcken wurde das Überwachungssystem des montenegrinischen Unternehmens Beeand.me angebracht. Damit soll das Verhalten der Bienen wissenschaftlich erfasst, die Arbeit des Imkers erleichtert und das Bienensterben verhindert werden.

Der Stock wird abgehört

Bio-Imker Gernot Gangl will so seine Bienen in der Seestadt besser verstehen lernen und sie optimal versorgen: "Es kommt auf so viele Faktoren an – wie schwer ist der Bienenstock, ist die Temperatur zu hoch oder die Luft zu feucht?" Die Messstation liefert diese Daten und Informationen. Zudem wird abgehört, welche Geräusche die Bienen machen, um so auf ihren Zustand zu schließen. "So erspare ich mir unnötige Wege und den Bienen unnötigen Stress – jedes Öffnen des Stockes bringt Unruhe in das Volk", sagt Gangl.

Im Unterschied zu anderen Lösungen bedient sich die Bienenüberwachung der Narrowband-Technologie – einer neuen Art der Schmalbandkommunikation. Dabei geht es um die Übertragung kleiner Datenmengen an schwer erreichbare Stellen über lange Zeiträume hinweg. Eine Warnfunktion und maßgeschneiderte Wartungspläne sollen eine zeitgerechte und individuelle Betreuung der Bienen ermöglichen.

Das System sei zwar hochkomplex, wie die Entwickler Alija Dervic mit Elma Hot erklären, aber simpel in der Umsetzung: "Die Daten werden gesammelt und an den Imker geschickt. Über eine App sind die Informationen von unterwegs abrufbar." Damit habe der Imker seine Bienen "immer im Blick und weiß, wie es ihnen in ihrem Bienenstock geht und wann er eingreifen muss".

Start-ups für Tradition

Für Finanz- und Wirtschaftsstadträtin Renate Brauner (SPÖ) zeigt die Ansiedlung des montenegrinischen Start-ups, dass die Arbeit und Betreuung der Wirtschaftsagentur Wien reale Verbesserungen und konkrete Ansiedlungen für den Standort Wien bringen. "Technologie-Start-ups bringen summa summarum auch Innovationen für traditionellere Berufssparten. Wir freuen uns jedenfalls schon auf die ersten Kostproben des wienerisch-montenegrischen Honigs", sagt Brauner. (Oona Kroisleitner, 20.7.2017)