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Warum der Klimaschutz den Feminismus braucht – und umgekehrt

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25. Juli 2017, 07:00

Der Klimawandel hat auch massive geschlechter- und klassenspezifische Auswirkungen. Feministinnen sollten den Kampf für eine gerechte Klimapolitik zur Priorität erklären

Im Februar dieses Jahres veröffentlichte Isabella Lövin ein Foto, das um die Welt ging: Die stellvertretende schwedische Ministerpräsidentin unterzeichnete umringt von Kolleginnen einen Gesetzesentwurf zum Klimaschutz und lieferte damit das perfekte Gegenbild zu Trumps Männerrunde im Oval Office. Während Lövin als Teil der "feministischen Regierung" Schweden bis 2045 CO2-neutral machen möchte, verkündete der US-Präsident und Klimaskeptiker wenige Monate später den Ausstieg aus dem Pariser Klimaabkommen. Auch wenn sich ein Vergleich zwischen zukunftsgerichteter, weiblicher Politik und einer kurzsichtigen Macho-Agenda hier geradezu aufdrängt, bedarf es keines Rückgriffs auf stereotype Geschlechterbilder, um Klimapolitik als feministisches Anliegen zu begreifen.

Zwar existieren im Umfeld des Ökofeminismus durchaus biologistische Bilder der naturverbundenen, schützenden Frau, doch vorrangig versuchen feministische Aktivistinnen seit Jahrzehnten darauf aufmerksam zu machen, wie eng Umweltschutz mit Verteilungs- und Geschlechtergerechtigkeit verknüpft ist. Ihr Klima-Aktivismus richtet sich dementsprechend seit jeher gegen eine neoliberale Politik, die notwendige, einschneidende Klimaschutzmaßnahmen auf dem Altar des unbegrenzten Wachstums opfert.

Geschlechterspezifische Auswirkungen

Von den Folgen des Klimawandels sind Frauen besonders stark betroffen: Im globalen Süden haben sie als Arbeiterinnen in der Landwirtschaft und als Versorgerinnen ihrer Familien mit Wasserknappheit und Ernteausfällen zu kämpfen – und auch die Auswirkungen von durch den Klimawandel verursachten Naturkatastrophen treffen sie härter, wie etwa die UN Women betonen. So sind es meist Frauen, die zurückbleiben und sich um Alte und Kranke kümmern, die Opfer von Übergriffen werden und mit einem durchschnittlich niedrigeren Einkommen und fehlendem Zugang zu Ressourcen in ihrem Handlungsspielraum begrenzt sind.

Die Frauenorganisation der Vereinten Nationen fordert dementsprechend Frauen als Akteurinnen an vorderster Front stärker in die politische Entscheidungsfindung miteinzubeziehen. Eine Berücksichtigung der Geschlechterperspektive bleibt in klimapolitischen Debatten und Abkommen schließlich oft nur Lippenbekenntnis. So kritisierten Feministinnen das zugleich bahnbrechende wie zahnlose Pariser Klimaabkommen, da Menschenrechte und Geschlechtergerechtigkeit trotz intensiven Lobbyings verschiedener NGOs nur schwach darin verankert sind.

Fehlende Breitenwirkung

Auch wenn Feministinnen sich seit Jahrzehnten dem Klimaschutz widmen – vor allem im Westen bleiben entsprechende Aktivitäten überschaubar. Angesichts der weltpolitischen Lage darf der Kampf für eine geschlechtergerechte Klimapolitik jedoch nicht länger auf einige wenige Organisationen beschränkt bleiben. Feminismus, der auf dem Grundsatz der internationalen Solidarität gründet, muss ein so zentrales – wenn auch abstraktes – Politikfeld stärker in den Mittelpunkt rücken. Ideen und Konzepte für ein ressourcenschonendes und ökologisch wie sozial nachhaltiges Wirtschaften existieren etwa im Umfeld der auf das Gemeinwohl ausgerichteten Commons-Bewegung zur Genüge.

Abseits innovativer Projekte, die bereits rund um den Globus umgesetzt werden, ist aber auch politischer Druck dringend notwendig. Was es – auch hierzulande – braucht, ist ein Umdenken auf allen Ebenen. Nicht zuletzt innerhalb von Interessenvertretungen, die Wirtschaftswachstum oder die Schaffung von Arbeitsplätzen prinzipiell über den Klimaschutz stellen. Stärkeres zivilgesellschaftliches Engagement wäre also auch in Österreich gefragt, das als westliche Wohlstandsnation seit vielen Jahren im Klimaschutz hinterherhinkt. Eine feministische Regierung wäre auf dem Weg zur Vorreiterrolle wohl kaum hinderlich. (Brigitte Theißl, 25.7.2017)