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Wie sich mehr Zufriedenheit kaufen lässt

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24. Juli 2017, 21:02

Menschen, die Geld ausgeben, um mehr (Frei-)Zeit zu haben, sind laut einer internationalen Vergleichsstudie glücklicher

Vancouver/Wien – Geld allein macht nicht glücklich, glaubt der Volksmund zu wissen. Die Kunstbeflisseneren unter den reicheren Teilen der Bevölkerung können sich das gerade bei den Salzburger Festspielen in der Neuinszenierung des Jedermann vor Augen führen lassen.

Aber ist das wirklich so? Etwas ältere Leser erinnern sich noch an den Journalisten Josef "Joki" Kirschner, der Ende der 1980er-Jahre mit dem Spruch "Geld macht glücklich, wenn man rechtzeitig drauf schaut, dass man's hat, wenn man's braucht" warb. Liegt der Segen des Geldes also in der Sicherheit, die man damit erwirbt?

Elizabeth Dunn (University of British Columbia) forscht seit vielen Jahren zu den Zusammenhängen von Geld und Glücklichsein.

Elizabeth Dunn bei einem Vortrag aus dem Jahr 2010 zum Thema "Glück und Geld".
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Nun entdeckte sie mit ihrem Team einen neuen Zusammenhang: Man kann mehr Zufriedenheit mit Geld erwerben, indem man es dafür ausgibt, sich Zeit zu kaufen.

Für ihre Studie, die im Fachblatt "PNAS" erschien, befragten die Psychologen um Dunn mehr als 6000 Personen aus den USA, Kanada, Dänemark und den Niederlanden danach, wie viel Geld sie in die Hand nehmen, um sich – etwa durch die Bezahlung von Hausarbeit wie Putzen oder Kochen – "freizukaufen". Zudem wurden die Studienteilnehmer nach ihrer Zufriedenheit mit dem Leben allgemein gefragt und nach ihren Stressgefühlen.

Geld = Zeit = Zufriedenheit

Die Ergebnisse waren eindeutig: Jene Personen, die andere etwa für das Putzen ihrer Wohnung bezahlen und sich damit "Zeit kaufen", betrachten sich als deutlich zufriedener als solche, die das nicht tun. Dabei scheint es gar nicht darauf anzukommen, ob man selbst arm oder reich ist, wie Elizabeth Dunn betont: Zur Überraschung der Forscher habe sich dieser Effekt auch bei Personen mit einem geringen Haushaltseinkommen gezeigt.

Sich mit Geld Zeit zu kaufen, scheint auch zufriedener zu machen, als es für materielle Dinge auszugeben: Testpersonen, die 40 Dollar entweder für mehr Freizeit oder ein Geschenk ausgeben konnten, waren zufriedener, wenn sie Zeit erworben hatten. Trotzdem täten viele Menschen das nicht, schreiben die Psychologen.

Viele Millionäre erledigen Hausarbeit

So gab knapp die Hälfte der 818 befragten Millionäre an, dass sie kein Geld ausgäben, um Haushaltspflichten an andere Menschen zu übergeben. Das könne kulturelle Gründe haben oder am Geschlecht liegen, wie Dunn und ihre Kollegen mutmaßen. So hätten viele Frauen immer noch das Gefühl, sie müssten Haushaltspflichten selbst erledigen, auch wenn sie sich eine Haushaltshilfe leisten könnten. (tasch, 24.7.2017)