Digitalisierung: Heimische Chefs zufrieden – EU und Co aber nicht

Eine Digitalstrategie fehlt in heimischen Firmen oft – was die Digitalisierung anbelangt, sind Führungskräfte dennoch optimistisch

Österreichs Führungskräfte fühlen sich trotz teils fehlender Digitalstrategie im eigenen Unternehmen gut auf die digitale Transformation vorbereitet, hat das BFI Wien in einer Studie herausgefunden.

foto: imago/hartenfelser

Die Digitalisierung sämtlicher Lebens- und Arbeitsbereiche bringt große Umwälzungen für Zusammenleben und Arbeitswelt mit sich. "Alles easy", wenn es nach den österreichischen Führungskräften geht: Vier von fünf von ihnen fühlen sich gut oder sehr gut auf die digitale Transformation vorbereitet. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie "Österreichs Wirtschaft im Digitalfitness-Check", für die Hasslinger Consulting im Auftrag des BFI Wien österreichweit mehr als 300 Führungskräfte in unterschiedlichen Branchen befragt hat.

Weniger positive Ergebnisse

Die Auftraggeber sind zufrieden. Valerie Höllinger, Geschäftsführerin des BFI Wien, sieht Österreich "auf einem guten Weg". Allerdings: Manche Teilergebnisse der Studie sprechen eine andere Sprache. In der ersten Führungsebene sehen sich beispielsweise knapp ein Fünftel weniger gut auf eine digitale Zukunft vorbereitet. 38 Prozent sehen auch die Mitarbeiter auf keinem guten Weg, auch auf zweiter und dritter Ebene sagen mehr als ein Viertel der befragten Führungskräfte, dass ihre Mitarbeiter ungenügend vorbereitet sind.

Erstaunlich ist dabei, dass mehr als ein Drittel wenig bis gar kein Interesse an Programmen für digitale Aus- und Weiterbildung hat. Auch für die Mitarbeiter sieht ein Fünftel der Chefs keinen Bedarf, Wissenslücken in puncto digitale Zukunft auszubessern. Das könnte auch daran liegen, dass 21 Prozent sagen, dass Digitalisierung im eigenen Unternehmen zurzeit eher kein Thema ist. In Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern liegt der Wert sogar bei 30 Prozent. Und: Nur 45 Prozent geben an, dass ihr Unternehmen überhaupt eine digitale Agenda hat.

Handlungsbedarf bei KMUs

Höllinger zufolge sei das Thema bei großen Unternehmen angekommen. "Wie sich zeigt, müssen wir aber noch im KMU-Sektor die Bedeutung der digitalen Transformation – und damit korrespondierend der Ausbildung der eigenen Mitarbeiter – hervorstreichen. Eine weitere Digitaloffensive muss daher eine KMU-Offensive sein." Höllinger reagiert mit einem neuen Angebot: Mit dem BFI-Wien-Digi-Campus wurde eine Plattform aufgebaut, die eine eigene auf die diversifizierten Zielgruppen ausgerichtete Orientierungsstruktur liefert, um jedem das passende Angebot bieten zu können. "Wir beschreiben darin an einem Ort zusammengefasst, welche Skills für welche Berufe im digitalen Umfeld notwendig sind", sagt Höllinger.

OECD und Co: Österreich hat Nachholbedarf

Dass Österreich, was die digitale Zukunft anbelangt, vielleicht doch nicht auf so einem guten Weg ist, legen auch mehrere Untersuchungen auf internationalem Level nahe: zum Beispiel der von der EU-Kommission veröffentlichte Digital Economy and Society Index (DESI). Dafür werden die fünf Dimensionen Konnektivität, Humankapital, Internetnutzung, Integration digitaler Technologien sowie digitale öffentliche Leistungen betrachtet. Österreich liegt da aktuell lediglich an zehnter Stelle. Zwar ist das noch leicht über dem EU-Durchschnitt, gemessen an Österreichs Entwicklungsniveau sei der Digitalisierungsgrad aber "unterdurchschnittlich", interpretiert das Wirtschaftsforschungsinstitut die Ergebnisse.

Laut Eurostat haben mehr als 60 Prozent von Unternehmen, die IKT-Spezialisten suchen, Probleme – der in der EU höchste Wert. Und auch die OECD sieht Nachholbedarf: Nur 20 Prozent der Firmen nutzen eine Cloud, also eine digitale Infrastruktur, in der nicht alle Programme und Dokumente auf jedem PC einzeln gespeichert werden müssen. In Finnland nutzen das Angebot fast dreimal so viele Firmen. Auch bei der Industrie 4.0 hinke Österreich anderen Ländern hinterher. (lhag, 26.7.2017)

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