Foto: APA/HERBERT NEUBAUER

Beachtliches Formel-1-Debüt von Lucas Auer

1. August 2017, 19:05

Österreicher Neunter am ersten heißen Testtag auf dem Hungaroring – Bestzeit an Ferrari-Überflieger Charles Leclerc – Auer: "Anfangs denkst du dir, was ist das für ein Wahnsinn"

Mogyorod – Lucas Auer hat ein beachtliches und fehlerfreies Formel-1-Debüt hingelegt. Der 22-jährige Tiroler war am Dienstagnachmittag bei den glühend heißen Testfahrten auf dem Hungaroring Neunter, obwohl er sich als Rookie den Force India mit dem Russen Nikita Masepin teilen musste. Auer war aber etwa schneller als Red-Bull-Pilot Max Verstappen. Tagesbestzeit bei bis zu 39 Grad erzielte der monegassische Ferrari-Überflieger Charles Leclerc in 1:17,746 Minuten.

DTM-Pilot Auer hatte sich gut vorbereitet für seinen allerersten Einsatz in einem Formel-Boliden. Um 14.19 Uhr legte er erstmals zu einer langsamen Runde los, erstmals richtig Gas gab er eine Stunde später.

Die Anspannung am Beginn sei groß gewesen, gestand Auer. "Die ersten zwei Runs waren die schwierigsten. Als mir klar wurde, dass ich hin und wieder atmen auch muss, ist es gleich viel lockerer gegangen", scherzte Auer nach den Testfahrten. "Und natürlich habe ich geschwitzt ohne Ende."

Wie erwartet musste der Österreicher in Mogyorod bei Budapest eine Menge Testaufgaben für Force India übernehmen und vor allem den Run-Plan des Teams herunterspulen, bekam nur wenig Zeit für Gebolze nach eigenem Geschmack. Darum sind die Rundenzeiten auch mit Vorsicht zu genießen.

"Praktisch keinen Fehler gemacht"

"Ich habe trotzdem praktisch keinen Fehler gemacht, und es war auch nicht mein Plan, etwas kaputt zu machen", zeigte sich Auer insgesamt zufrieden. Das Beeindruckendste sei gewesen, "wie schnell sich das Auge an das alles gewöhnt. Anfangs denkst du dir, was ist das für ein Wahnsinn, und dann bremst du immer später."

Vor allem auf den Highspeed-Passagen sei der Unterschied zu den Tourenwagen besonders auffällig. Dort sieht der Österreicher am Mittwoch auch noch die meiste Luft nach oben.

Das Formel-1-Erlebnis sei jedenfalls insgesamt "unglaublich" gewesen. "Sensationell, dass ich so eine Erfahrung machen darf. Ein Riesendank an das Team, ich habe wie vorgehabt jede Sekunde genossen", sagte der Neffe von Gerhard Berger.

Auer langsamer als Masepin

Weil er sich das Auto teilen muss, kam Auer am Dienstagnachmittag mit 54 auch nur auf die drittwenigsten Runden des zwölfköpfigen Feldes und eine Zeit von 1:20,563 Minuten, mit der er auch hinter Masepin (1:19,910) blieb. Leclerc absolvierte 98 Runden, der finnische Mercedes-Star Valtteri Bottas wegen seiner Pirelli-Tests gleich 155 und damit trotz großer Hitze mehr als zwei Grand-Prix-Distanzen.

Auer will am Mittwochvormittag – danach fährt wieder der Russe – gleich die nächste Chance nützen. "Bei einem Test geht es natürlich in erster Linie darum, viel Information für das Team zu sammeln. Aber ich bin vom persönlichen Limit noch sehr weit weg. Da geht noch viel, speziell im Highspeed-Bereich", so der Tiroler.

"Heute war wichtig, ohne großen Fehler möglichst viele Runden reinzubekommen", beschloss Auer den heißen Tag in Ungarn. "Jetzt kann ich drüber schlafen und am Mittwoch den nächsten Schritt machen." (APA, 1.8.2017)

Formel-1-Testfahrten in Mogyorod bei Budapest (zwölf Piloten im Einsatz):

1. Charles Leclerc (MON) Ferrari (98 Runden) 1:17,746 Min.
2. Stoffel Vandoorne (BEL) McLaren-Honda +0,088 Sek. (72)
3. Valtteri Bottas (FIN) Mercedes 0,986 (155)
4. George Russell (GBR) Mercedes 1,485
5. Lance Stroll (CAN) Williams 2,120 (138)
6. Nikita Masepin (RUS) Force India 2,164 (52)

Weiters:
9. Lucas Auer (AUT) Force India 2,817 (54)
11. Max Verstappen (NED) Red Bull 3,482 (58)