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Beim FC Bayern schrillen die Alarmglocken

2. August 2017, 13:40

Zweieinhalb Wochen vor Bundesliga-Auftakt brodelt es bei Münchnern

München – Die dicken Gewitterwolken über der Allianz Arena waren fast sinnbildlich für die gereizte Stimmung beim FC Bayern. Auch wenn es nur ein Freundschaftsspiel war, "Liverpool hat uns an der Nase herumgeführt. Der Stachel sitzt tief", sagte Thomas Müller nach der 0:3 (0:2)-Klatsche gegen Jürgen Klopps FC Liverpool in der ARD mit finsterer Miene.

Balanceprobleme

Drei Tage vor dem ersten Pflichtspiel im Supercup bei Borussia Dortmund (20.30 Uhr/ZDF und Eurosport) schrillen beim deutschen Rekordmeister schon die Alarmglocken. "Natürlich sind wir beunruhigt. Wir sind nicht in bester Verfassung. Das Problem ist klar, wir müssen eine bessere Balance im Spiel haben", betonte Trainer Carlo Ancelotti.

Die Abwehr war im Halbfinale des Audi-Cups trotz starker Besetzung anfällig, der Spielaufbau ließ eine erkennbare Struktur vermissen und die Offensive um Torjäger Robert Lewandowski war bestenfalls harmlos.

Auch der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge ist deshalb gewarnt. "Liverpool hatte immer ein, zwei Gänge mehr drin als wir. Wir müssen schnell die Kurve kriegen, keine Frage", sagte der 61-Jährige: "Es sind noch zweieinhalb Wochen bis zum Saisonstart. Die können schnell vorbei sein." Dann empfangen die Münchner am 1. Spieltag Bayer Leverkusen.

Klopp sieht für Reds noch Luft nach oben

Ancelotti blieb nur, Liverpool eine "bessere Verfassung" zu attestieren. Die Premier League startet für die Reds schon am 12. August beim FC Watford. Dennoch sah Teammanager Klopp bei seiner Mannschaft noch Luft nach oben. "Ich bin ganz zufrieden, aber es geht noch besser. In der ersten Halbzeit hatten wir zu wenig Ballbesitz, weil wir den Ball entweder ins Tor geschossen oder den Bayern gegeben haben", so der ehemalige Dortmund-Trainer. Für ein 3:0 reichte es trotzdem.

Vor allem gegen die überfallartigen Angriffe des englischen Champions-League-Qualifikanten fanden die Münchner kein Mittel. Ein individueller Fehler von Rekord-Transfer Corentin Tolisso, der im Juni für 41,5 Millionen Euro an die Säbener Straße gekommen war, leitete den ersten Gegentreffer ein. Insgesamt spielte der junge Franzose mittelprächtig, auch Star-Transfer James blieb weitgehend unauffällig.

Franck Ribéry fand deutliche Worte: "Wir müssen mehr zusammenspielen, als Team auftreten und Präsenz zeigen. Ich hoffe, wir machen es am Samstag besser, das ist ein sehr wichtiges Spiel." Dabei bot der italienische Chefcoach ein Team auf, das nah an Bestbesetzung heranreichte. Manuel Neuer fehlt nach seiner Fußverletzung noch bis zum Saisonstart, Arjen Robben und Jerome Boateng haben noch Trainingsrückstand.

Thiago, Alaba und James angeschlagen

Zu allem Überfluss mussten Thiago, David Alaba und James angeschlagen ausgewechselt werden. "Thiago und Alaba haben einen Schlag abbekommen", so Ancelotti: "Das sollte aber bei beiden kein großes Problem sein." James dagegen habe muskuläre Probleme, er wird am Mittwoch "genauer untersucht".

Für den neuen Sportdirektor Hasan Salihamidzic, der das erste Mal neben Ancelotti auf der Bank saß, sicherlich kein schöner Einstand. "Arbeit ist genug da für Hasan", sagte Rummenigge. Zumal es bereits die vierte Testspielniederlage der Saisonvorbereitung für den deutschen Meister war.

Müller fand schließlich doch noch positive Worte: "Wenn unsere Fehler und Schwächen zu diesem Zeitpunkt aufgezeigt werden, kann man das noch gut nutzen. Niederlagen stacheln einen mehr an als Siege." Die erste Chance zur Wiedergutmachung haben die Münchner am Abend beim Spiel um Platz 3 gegen den SSC Neapel (17.45 Uhr/ARD). (sid, 2.8.2017)