32 Grad, nichts zu trinken: Wie Bewerbungsgespräche nicht ablaufen sollten

4. August 2017, 07:00

Eine Umfrage zeigt, dass die Wünsche von Bewerbern bei Bewerbungsgesprächen nur selten in Erfüllung gehen. Besonders vermisst werden konkrete Infos

Es haben längst nicht alle Unternehmen bezüglich der Jobinterviews darauf reagiert, dass sich Kandidatinnen und Kandidaten mittlerweile ihre Arbeitgeber aussuchen – und nicht umgekehrt. So fällt zumindest das Fazit des Recruiting-Anbieters Softgarden nach einer aktuellen Umfrage aus, für die 1000 Bewerber zu ihren Wünschen und Erfahrungen bezüglich der Gespräche befragt wurden.

Was Bewerber hören wollen

Für eine große Mehrheit der Kandidaten (80 Prozent) hat eine "angenehme Gesprächsatmosphäre" eine besonders hohe Priorität. Gleiches gilt für einen "hohen Informationswert" des Gesprächs (73 Prozent) und die "Augenhöhe" in der Gesprächsführung (72 Prozent). Geht es darum, worüber beim Gespräch vor allem gesprochen werden sollte, liegt bei den befragten Kandidaten mit "vor allem" die konkrete Aufgabe im Unternehmen vorn. Aber auch die Anforderungen an die Position wurden mit "hoch" priorisiert. Für fast die Hälfte der Kandidaten stellen die mit der Position verbundenen "Entwicklungschancen" ein sehr wichtiges Thema in Bezug auf das Jobinterview dar.

Über was tatsächlich gesprochen wird

In der Praxis bleiben diese Themenwünsche der Kandidaten zum Teil unerfüllt. "Denken Sie an das letzte Bewerbungsgespräch, das Sie geführt haben. Worüber wurde vor allem gesprochen?" Nur bei einem Drittel der Kandidaten ging es ganz konkret um die Aufgabe. Über die "Entwicklungschancen" wurde nur bei 14 Prozent gesprochen, mehr als die Hälfte gab an, dass über dieses Thema kaum oder gar nicht gesprochen wurde.

Fehlende Gastfreundschaft

In einem Freitextfeld berichteten die Teilnehmer über ihre individuellen Erlebnisse bei konkreten Vorstellungsgesprächen – diese reichten von fehlender Pünktlichkeit bis zu mangelnder Vorbereitung. Gastfreundschaft wird offensichtlich nicht in allen Unternehmen großgeschrieben: "32° Celsius, Gespräch in der fünften Etage, nichts zu trinken angeboten bekommen", berichtet ein Teilnehmer. Auch auf "mangelnden Augenkontakt" sowie die fehlende Zeit, um die eigenen Fragen ans Unternehmen loszuwerden, weisen die Berichte der Bewerber hin. Auf der anderen Seite stehen die bohrenden Fragen der Personaler, mit denen sie in die Untiefen der Bewerberpersönlichkeit vordringen möchten: "Auseinandernehmen meiner Person, fast ausgezogen mit Fragen," heißt es in einem Bericht.

Bitte recht schnell

Die Umfrage zeigt aber auch, dass Bewerber den Unternehmen nicht viel Zeit für die Suche geben wollen: 71 Prozent räumen den Arbeitgebern zwei Wochen oder weniger ein, um nach der schriftlichen Bewerbung zum Gespräch einzuladen oder abzusagen. 2014 waren es "nur" 57 Prozent, die dieses Tempo für angemessen halten. Weniger als die Hälfte der Befragten wurden tatsächlich in dieser Frist kontaktiert.

Umdenken bei Unternehmen

"Unternehmen, die auf der einen Seite ihre Kunden hofieren und dann Bewerber über den Lieferanteneingang empfangen, sollten schleunigst umdenken", sagt Mathias Heese, Geschäftsführer von Softgarden. "Jobkandidaten im digitalen Zeitalter erwarten Augenhöhe, Wertschätzung und Transparenz. Machen sie im Bewerbungsprozess ganz andere Erfahrungen, so wenden sie sich wieder ab. Unternehmen riskieren darüber hinaus Imageschäden in Form von schlechten Bewertungen auf Arbeitgeberbewertungsportalen." (lhag, 4.8.2017)