Foto: Getty Images/iStockphoto/Tomwang112

AK: Nachhilfe im Sommer ist eine teure Angelegenheit

5. August 2017, 12:00

Heuer werden rund 30.000 Schüler und Schülerinnen in den Ferien Nachhilfe in Anspruch nehmen

Wien – Die Nachhilfe für den Nachwuchs kann für Eltern sehr teuer werden: Mit rund 450 Euro im Schnitt, im Einzelfall aber auch deutlich mehr, ist der Nachzipf eines Kindes durchaus auch eine finanzielle Belastung. Melitta Aschauer, Bereichsleiterin für Bildung der AK Wien, sieht das problematisch: "Das können sich Familien mit niedrigeren Einkommen kaum leisten. Damit haben diese Kinder deutlich schlechtere Startchancen im nächsten Schuljahr."

Die Gemeinde Wien bietet daher über die Wiener Volkshochschulen im Rahmen der Nachhilfe 2.0 auch heuer wieder im August kostenlose Nachhilfe für SchülerInnen der Neuen Mittelschulen und der AHS-Unterstufen in den VHS-Lernstationen an. "Das ist ein wichtiges Angebot, aber die Lösung für das Problem muss von Anfang an im Schuljahr ansetzen", fordert Aschauer in einer Aussendung der Arbeiterkammer Wien.

Bis zu 570 Euro für Nachhilfe

Im Rahmen einer Studie des Ifes-Instituts im Frühjahr 2017, die die AK in Auftrag gegeben hat, wurden über 3.400 Familien mit über 5.600 Schulkindern gefragt, wie viel sie für Nachhilfe im Sommer 2016 ausgegeben haben. Den Ergebnissen zufolge gaben die Haushalte im Schnitt rund 450 Euro dafür aus, 2015 waren es noch rund 400 Euro. Mit 570 Euro war Nachhilfe in Kärnten und Wien am teuersten, in Niederösterreich gaben die Eltern mit rund 360 Euro am wenigsten für Nachhilfe aus.

Auch der Vergleich zwischen den verschiedenen Schulformen macht einen großen Unterschied deutlich. Für die Nachhilfe für einen Schüler oder eine Schülerin an einer AHS-Oberstufe zahlen die Eltern im Schnitt rund 570 Euro. Ist das Kind in der Neuen Mittelschule, geben die Eltern dagegen nur rund 390 Euro aus.

Schlechtere Chancen für Kinder von WenigverdienerInnen

Eltern mit einem Haushaltseinkommen von über 3.000 Euro geben im Schnitt im Sommer 510 Euro für ihre Kinder aus, Haushalte mit einem Einkommen bis 1.600 Euro jedoch nur rund 340 Euro. Die soziale Benachteiligung dieser Kinder geht somit auch in der schulfreien Zeit weiter. Nach wie vor lässt sich sagen, dass die Belastungen durch Nachhilfekosten insbesondere für sozial und finanziell schwächer gestellte Haushalte eine schwere Bürde darstellen, sofern Nachhilfe für sie überhaupt leistbar ist.

In ihrer Aussendung fordert die AK daher den Ausbau der Ganztagsschulen und des regelmäßigen Förderunterrichts, um die Eltern vom Lernen mit den Kindern und der Nachhilfe zu entlasten. Zudem solle eine neue Schulfinanzierung nach einem Chancen-Index eingeführt werden, nachdem Schulen mehr Geld bekommen, wenn die Eltern der Kinder einen niedrigeren Schulabschluss haben.

"Es gibt Schulen, in denen es besonders viele Kinder und Jugendliche aus benachteiligten Familien gibt. Für diese Schulen muss es eine besondere Förderung nach dem Chancen-Index geben", fordert Aschauer. (red, 5.8.2017)