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"Monsieur Pierre geht online": Komödie der Blicke

8. August 2017, 06:00

Stéphane Robelin setzt den fast 83-jährigen Komödianten Pierre Richard zurückhaltend wie noch nie in Szene

Wien – Der volle Körpereinsatz ist vielsagenden Blicken gewichen. Als der Rentner Pierre (Pierre Richard) bei der Begegnung mit seinem jungen Internetdate den kultivierten Großvater gibt, verraten die Augen die komische Kluft zum längst außer Rand und Band geratenen Begehren. Nur einmal, als das anwachsende Lügengebäude einzustürzen droht, tritt er zur Ablenkung gegen eine Tür.

Blüht dank einer Internetbekanntschaft zu neuem Leben auf: Pierre Richard in Stéphane Robelins "Monsieur Pierre geht online".
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In den 1970er- und 1980er-Jahren war der französische Schauspieler und Regisseur Pierre Richard ein höchst erfolgreicher Vertreter einer sehr physischen Form der Komödie. Als "großer Blonder" personifizierte er den gutmütigen Tollpatsch und huldigte burleskem Slapstick.

Gegen diesen Typus setzte Regisseur Stéphane Robelin den Komödienstar 2011 in seinem Ensemblefilm Und wenn wir alles zusammenziehen? ein, in dem sich alte Menschen in einer Wohngemeinschaft zusammenfinden. Das Alter spielt nun auch in der erneuten Zusammenarbeit zwischen Richard und Robelin, Monsieur Pierre geht online, eine entscheidende Rolle.

Falsches Dating-Profil

Um Pierre, seit zwei Jahren Witwer, aus seiner Höhle der Trauer und des Selbstmitleids herauszubekommen, schickt ihm die Tochter den Freund der Enkelin, Alex (Yaniss Lespert), in die verdunkelte Wohnung. Von Alex in die Möglichkeiten des Internets eingewiesen, braucht Pierre nicht lange, um sich ein Profil auf einer Datingplattform einzurichten. Mit falschem Foto und seinen in einem anachronistischen Briefstil gehaltenen Botschaften becirct er erfolgreich eine viel jüngere Frau. Als eine Begegnung im echten Leben ins Haus steht, soll Alex fürs Erste an seine Stelle treten.

"Profil für zwei" heißt denn auch der treffendere Originaltitel übersetzt. Wie die beiden Männer immer mehr für ihr gemeinsames Objekt der Begierde entflammen und sich dabei in ein Netz der Fiktionen verstricken, bietet jede Menge Raum für erstaunlich stille Komik. Subplots wie das Zerwürfnis mit der Enkelin sorgen für zusätzliche Komplikationen. Das Internet fungiert dabei als bloßes Tool, als zusätzliches Mittel der Kommunikation, mit dem Senioren nicht viel anders umgehen als Jüngere. Von Kulturpessimismus keine Spur.

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Während die beiden Männer immer mehr aufblühen, bleibt die hinreißend schöne, ordentlich hinters Licht geführte Flora (Fanny Valette) eine Fleisch gewordene Männerfantasie. Wenn Pierre die Frau Anfang 30 durch einen Feldstecher beäugt oder unerkannt an ihren Nachbartisch im Restaurant wechselt, gehört dies zu den unheimlicheren Momenten einer Familienkomödie, die sich wohl auch als Huldigung an Erfindungsreichtum und Generationenverständigung versteht.

Letztlich ist Un profil pour deux aber vor allem eine Hommage an Richard, der am 16. August 83 Jahre alt wird. Autor und Regisseur Robelin würdigt seinen Star, indem er ihn zurückhaltend wie nie zuvor in Szene setzt. Dass man als Zuschauer zum Schluss noch einmal von Blicken in die Irre geführt wird, steht dem Alterswerk des Komödianten gut an. (Karl Gedlicka, 8.8.2017)

Ab 11.8. im Kino