, Steffen Arora

Wien probiert Kopenhagen: E-Bike-Nachrüstsatz beim Radsommer testen

Der Radsommer am Donaukanal informiert über Wiens Angebot für Pedalritter und bietet neben Unterhaltung auch kostenlose Radlchecks. Vor allem aber gibt es hier das lange angekündigte Copenhagen Wheel zu testen

Beim Radsommer am Wiener Donaukanal kann das Copenhagen Wheel am Stand von willhaben getestet werden.

foto: mobilitätsagentur wien/christian fürthner

Das Hinterrad beinhaltet Motor und Akku. Derart kann fast jedes Fahrrad mit wenigen Handgriffen zum E-Bike mutieren.

foto: mobilitätsagentur wien/christian fürthner

Das Copenhagen Wheel – die jahrelang angekündigte Revolution des E-Bikes.

foto: radsommer/willhaben

Wien – Über E-Mountainbikes wurde an dieser Stelle schon so manches geschrieben. Das ist dem Umstand geschuldet, dass der Tretlager-Blog in Innsbruck entsteht. Doch die Elektromobilität für Fahrräder ist auch und vor allem ein urbanes Thema. Daher diesmal ein Hinweis für interessierte Großstädter: Beim Wiener Radsommer am Donaukanal gibt es noch bis Ende August täglich die Möglichkeit, das Copenhagen Wheel zu testen. Würde ich in Wien leben müssen, würde ich es ausprobieren.

Seit 2009 geistert die Kunde von diesem E-Bike-Nachrüstsatz durch das Internet. Damals wurde das Hightech-Hinterrad, das praktisch jeden noch so alten Drahtesel in ein schnittiges E-Bike zu verwandeln vermag, bei der Klimakonferenz in Kopenhagen vorgestellt. Entwickelt wurde es beim Senseable City Lab des Massachusetts Institute of Technology in den USA. Ziel der Erfindung ist es, mehr Menschen zum Radfahren zu bringen.

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Matt Fiorentino von der Firma Superpedestrian, die das Rad online vertreibt und vermarktet, sieht im Copenhagen Wheel ein Werkzeug, das den Trend zum E-Bike im urbanen Raum noch beschleunigen kann: "Die Leute werden durch solche Produkte mehr Fahrrad und weniger Auto fahren. Wenn mehr Radfahrer auf den Straßen unterwegs sind, werden die Städte ihre Radinfrastruktur überdenken müssen und ausbauen. Und je mehr Radinfrastruktur es gibt, umso mehr Radfahrer werden wiederum unterwegs sein."

Motor und Akku im Hinterrad

Die Besonderheit des Copenhagen Wheel liegt darin, dass es in fast jedes analoge Fahrrad nachträglich eingebaut werden kann und es so in ein E-Bike verwandelt. Denn der Motor und der Akku sind im Hinterrad verbaut. Der Aufwand des Umrüstens beschränkt sich praktisch auf das Wechseln des Hinterrades. Als Antrieb dient ein Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 279 Wattstunden bei einer Betriebsspannung von 48 Volt. Laut Herstellerinformation liefert der Motor eine Nennleistung von 250 Watt.

Das Gesamtgewicht des Hinterrades liegt zwischen sieben und rund neun Kilogramm. Das Rad ist in zwei Größen – 26 und 29 Zoll – erhältlich. Die maximale Reichweite beträgt gemäß Hersteller 50 Kilometer, wobei diverse Tester davon berichten, dass dies von der Topografie der befahrenen Strecke abhängt. Um den Akku wieder voll aufzuladen, benötigt man vier Stunden, wobei bereits nach zwei Stunden 80 Prozent Akkuladung erreicht sein sollen. Eine weitere Besonderheit des Copenhagen Wheel ist, dass es die kinetische Energie, die beim Bremsen entsteht, dazu nutzt, den Akku auch während der Fahrt wieder zu laden. Die maximale Geschwindigkeit liegt bei 20 Meilen pro Stunde bei den Modellen für den US-Markt. Das Hinterrad ist für Singlespeed sowie Sieben- bis Zehngangschaltungen (Shimano-kompatibel) geeignet.

Die ewig angekündigte Revolution

Das alles klingt hervorragend. In diversen Bike-Foren sind auch schon Testberichte zu finden, die ebenso vielversprechend klingen. Das Hinterrad läuft ruhig, nichts klappert – selbst auf unebenen Strecken. Besonders gelobt wird die angenehme, in drei Stufen unterteilte Unterstützung beim Treten, die selbsttätig einsetzt. Um das Copenhagen Wheel zu aktivieren, bedarf es allerdings eines Smartphones, das sich via App mit dem Hinterrad verbindet. Einmal aktiviert, läuft das Rad aber auch dann weiter, wenn das Handy ausfallen sollte. Ein kleiner Wermutstropfen ist, dass das Copenhagen Wheel nur mit Felgenbremsen, nicht aber mit Scheibenbremsen funktioniert.

So gut sich all das in der Theorie anhört, so wenig weiß man bislang über die Praxis. Denn es kam immer wieder zu Verzögerungen in der Entwicklung und vor allem Auslieferung. 2013 hieß es, man könne das Produkt nun vorbestellen. Dann sollte es ab 2015 auf dem Markt sein. Ausgeliefert wurde aber nicht. Man findet im Netz zahlreiche Einträge enttäuschter Kunden in spe, die ihre Bestellung nach monatelangen Wartezeiten wieder stornierten. Ende 2016 startete dann endlich die Massenproduktion. Allerdings kam es im April 2017 zu einem Rückruf aufgrund möglicher Probleme mit der Achse. Wobei das Unternehmen betonte, es sei eine reine Vorsichtsmaßnahme gewesen, und keiner der vom Rückruf betroffenen Kunden habe von Problemen berichtet.

Test beim Radsommer am Donaukanal

Preislich liegt das Copenhagen Wheel, das nur online über Direktvertrieb angeboten wird, bei 1.499 US-Dollar. Lieferungen nach Europa dauern derzeit, laut Vertrieb, rund zehn Wochen. Die Idee klingt vielversprechend, ob sie das allerdings auch in der Praxis hält, kann an dieser Stelle nicht beantwortet werden. Daher noch einmal der Tipp: Beim Radsommer am Donaukanal kann man das Copenhagen Wheel täglich von 18 bis 23 Uhr kostenlos testen. Und es gibt sogar ein Gewinnspiel, bei dem ein Fahrrad mit dem neuen Antrieb verlost wird. Hier sind weitere Details zum Radsommer am Donaukanal zu finden, bei dem übrigens auch zweimal wöchentlich ein kostenloser Bikecheck angeboten wird. (Steffen Arora, 8.8.2017)

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