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Wer früh Pornos schaut, will eher Macht über Frauen haben

8. August 2017, 09:00

Eine Studie zeigt, was die ersten Porno-Erfahrungen von Burschen mit der Wahrnehmung von Geschlechterrollen zu tun haben

Lincoln, Nebraska – Das Alter, in dem Buben das erste Mal mit Pornografie in Kontakt kommen, steht in Verbindung mit gewissen sexistischen Einstellungen im späteren Leben. Das zeigen die Ergebnisse einer neuen Studie der University of Nebraska.

Eine der Studienautorinnen, Alyssa Bischmann, erklärt, dass es Ziel der Studie war herauszufinden, "wie das Alter beim ersten Kontakt mit Pornografie die Konformität mit zwei maskulinen Normen bestimmt". Die abgefragten Normen waren einerseits der Wunsch, über Frauen Macht auszuüben, andererseits sexuell promiskuitives Verhalten, also ein "Playboy-Dasein" anzustreben.

Playboy oder Chauvinist

Dabei stellte sich heraus, dass das Alter des ersten Kontakts mit Pornografie und die beiden Normen in Verbindung stehen. Je jünger der Mann dabei war, desto eher wollte er Macht über Frauen haben. Bei den Männern mit späterem Erstkontakt zeigten sich eher Tendenzen zum Wunsch nach Playboy-Verhalten. Dieses Ergebnis überraschte die ForscherInnen nach eigenen Angaben. Co-Autorin der Studie Chrissy Richardson dazu: "Die interessanteste Erkenntnis der Studie ist die, dass Ältersein zum Zeitpunkt des ersten Kontakts einen größeren Zusammenhang mit der Playboy-Norm mit sich brachte."

Dies sei aufgrund von Erwartungen, basierend auf Vorwissen zu Geschlechterrollen und Medienkonsum, ein unerwartetes Ergebnis gewesen. Bischmann vermutet, dass die Resultate möglicherweise mit nicht überprüften Variablen zusammenhängen, wie beispielsweise Religiosität, sexuellen Versagensängsten oder den eigenen Empfindungen mit der ersten Erfahrung mit Pornografie. Die Forscherin sieht darin großes Potenzial für zukünftige Forschung auf dem Gebiet.

Erstkontakt schon mit fünf Jahren

Für die vorliegende Studie befragten Bischmann und ihre KollegInnen 330 Männer, die zwischen 17 und 54 Jahre alt waren und an einer großen Universität im mittleren Westen der USA studierten. Die Teilnehmer waren größtenteils kaukasischer Abstammung, und mit 93 Prozent war die überwiegende Mehrheit der Befragten heterosexuell. Zunächst wurden die Männer zu ihrer ersten Erfahrung mit Pornografie befragt, konkret wie alt sie dabei waren und ob sie dem absichtlich, zufällig oder gezwungenermaßen ausgesetzt waren. Danach sollten die Teilnehmer 46 Fragen beantworten, die zur Ermittlung der Einstellung zu den beiden genannten Normen dienten.

Dabei zeigte sich, dass das Durchschnittsalter beim ersten Kontakt bei knapp über 13 Jahren liegt. Die frühesten Erfahrungen wurden demnach mit fünf Jahren gemacht, 26 Jahre oder später war der als späteste genannte Zeitpunkt. Am häufigsten gaben die Befragten an, dass sie den Pornos unabsichtlich ausgesetzt waren, bei einem Drittel war es Absicht, und rund 17 Prozent sahen die Inhalte unfreiwillig. Die Tatsache, wie der erste Kontakt stattgefunden hatte, also freiwillig, versehentlich oder unfreiwillig, hatte jedoch keinen Einfluss auf das Ergebnis. Laut Bischmann erstaunte das die ForscherInnen ebenso, denn sie und ihre KollegInnen erwarteten unterschiedliche Ergebnisse, je nach Art des ersten Kontakts.

Gewaltprävention in der Zukunft

Die AutorInnen sind sich dennoch einig, dass die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das Konsumieren von Pornografie einen Einfluss auf heterosexuelle Männer hat, besonders in Zusammenhang mit der Wahrnehmung von Geschlechterrollen. Richardson sieht Potenzial darin, mehr über die Beziehung zwischen den Pornografie-Gewohnheiten der Männer und ihren Einstellungen zu Frauen herauszufinden. Das könne in der Prävention von sexueller Gewalt gegenüber Frauen hilfreich sein. Außerdem könnten die gewonnen Informationen als wertvoll für die Behandlung diverser emotionaler und sozialer Probleme bei jungen, heterosexuellen Männern sein. (jvs, 8.8.2017)