Foto: BMW Motorrad

BMW C evolution: Mehr Schmalz, mehr Schotter

17. August 2017, 08:07

BMW hat den E-Scooter C evolution mit 94-Ah-Akkus aufgemotzt und bietet jetzt mehr Reichweite, mehr Schmalz, kostet aber auch mehr Schotter

Wien/Burgenland – Das Problem ist ja nicht, dass es keine Auswahl gäbe. Ganz im Gegenteil. Elektrifizierte Zweiräder gibt es wie den sprichwörtlichen Sand am Meer. Trials, Enduros, Scooter, Motorräder, Trikes und Quads. Vom Format eines Mopeds über die, die sich wie der Johammer als mobiles Designstück verstehen, bis hin zu denen, die wirklich gern ein Motorrad wären. Das Problem liegt vielmehr darin, dass die meisten dieser E-Zweiräder fahren, dass man auf einem Motorrad aus den 1960er-Jahren von der Bissigkeit der Bremsen und der Steifheit des Rahmens schwärmt.

Die Steckdose des C evolution in einem Fach versteckt, das Kabel führt man unter der Sitzbank mit.
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Einige Hersteller greifen gar ins Fahrradregal, wenn sie nach den idealen Bremsen und Dämpfern für ihr E-Motorrad suchen. Radnabenmotoren sind zwar günstig, haben aber den Nachteil, eine große ungefederte Masse zu sein. Und kurz bevor die Verzweiflung der Resignation weichen wollte, trat 2012 BMW auf den Plan und stellte einen E-Scooter vor, der zwei Jahre später in Serie ging und heuer in einer überarbeiteten Version daherkommt: C evolution.

Dieser E-Scooter fährt sich nicht wie Mobilitätsexperiment, sondern wie ein richtig feiner Big-Scooter.
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Der E-Scooter war zum Start unglaublich teuer, superschwer und hatte eine Reichweite von gerade einmal 100 Kilometern – aber er fuhr; wie eine BMW fahren muss; und das mit dem Code 111.

Der Windschutz ist gut.
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Der Code 111 ist ein Zusatz, der B-Schein-Besitzern nach kurzer Schulung erlaubt, ein Motorrad bis 11 kW, also eine 125er, zu fahren. Weil die BMW C evolution ja wirklich nur eine Nennleistung von 11 kW hatte, genügte also der Führerschein A1, wie er heißt.

Am Display gibt es neben dem Tacho auch alle Infos zu Ladestand, wieviel Energie man abruft oder gerade rückgewinnt.
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Gleichzeitig hat der C evolution aber ein Drehmoment von 72 Newtonmetern. Das ist mehr, als die aktuellen 600 Kubikzentimeter großen Supersportler haben. Außerdem kann man bei E-Antrieben das System ein wenig überlasten, was einer kurz abrufbaren Maximalleistung von 35 kW, also fast 50 PS, entspricht.

Die nackten Leistungsdaten mag man im ersten Moment gar nicht glauben. Wegen des hohen Drehmoments der E-Maschine erinnert der Antritt eher an einen Supersportler, als an einen Roller.
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Kurzum, es ist gut, dass die Stabilitätskontrolle ständig aufpasst, sonst könnte einem Ungeübten, aber Befähigten passieren, dass er statt eines Ampelstarts ein Burn-out samt Kringerl und Notstoppsturz hinlegt. Mit der wachenden Elektronik gibt es auch gleich vier Fahrmodi, von Eco-Pro bis Dynamic.

Ganz leise ist der C evolution übrigens nicht. Er zwitschert beim Fahren ein wenig. So als ob die kleinen Elektronen vor Freude ein bisserl jodeln würden.
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Seit heuer gibt es mit einem neuen 94-Ah-Akkupaket auch einen C evolution Longe Range. Der hat mit 19 kW, 26 PS, mehr Leistung, regelt erst bei 129 km/h ab und schafft 160 Kilometer mit einer Ladung. Aufgeladen ist er in rund fünf Stunden.

Nachteil: Die Preise für diesen Roller sind gscheit gsalzn.
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Also ist jetzt endlich alles gut und die E-Mobilität auf zwei Rädern angekommen? Nun ja, der normale C evolution kostet 14.100 Euro, der Lange gar 15.563 Euro. (Guido Gluschitsch, 17.8.2017)

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Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.