Foto: EXPA / Jakob Gruber

Tirol: Werbung für Olympiabefragung startet

15. August 2017, 08:00

Wortlaut für Fragestellung am 15. Oktober präsentiert. Landeshauptmann Platter und Bürgermeisterin Oppitz-Plörer geben keine Wahlempfehlung ab, werben aber für "Ja". Nur Liste Fritz ist gegen Olympia 2026

Innsbruck – Land Tirol und Stadt Innsbruck rühren ab sofort die Werbetrommel für die Volksbefragung über die mögliche Bewerbung für Olympische Winterspiele 2026. Am 15. Oktober, dem Tag der Nationalratswahl, werden die Tiroler auch zu ihrer Meinung zur gemeinsamen Olympiabewerbung von Tirol und Innsbruck als Host City befragt. Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) und Innsbrucks Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer (Für Innsbruck) wollen zwar keine Wahlempfehlung abgeben, werden aber beide "aus Überzeugung dafür stimmen".

Am kommenden Freitag werden prominente Olympia-Botschafter vorgestellt. Daneben wird es eine tirolweite Roadshow durch alle Bezirke geben, im Zuge derer die Bevölkerung über das "selbstbewusste Innsbruck/Tirol Angebot" informiert werde. Im Zentrum stehen dabei "zehn Grundsätze für neue Olympische Winterspiele". Diese reichen von der "Wiederentdeckung der Maßstäblichkeit" bis hin zu "Keine unangemessene Entwicklung des Preisniveaus".

Vage Versprechungen

Doch auf Nachfrage scheinen die Grundsätze weniger verbindlich. So könne man etwa in Sachen Teuerung nur versuchen, in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern eine übermäßige Entwicklung des Preisniveaus zu verhindern. Nachsatz: Das Preisniveau sei ohnehin schon sehr hoch in Tirol, weshalb man keine weitere drastische Teuerung erwarte. Oder in Sachen Sicherheitskosten. Hier verweist man – trotz eines anderen Grundsatzes, nämlich dass man kein Steuergeld für die Olympischen Spiele aufwende – auf die Zusage der Bundesregierung vom 7. Juni. Wie auch beim Opernball oder Hahnenkammrennen trage der Bund die Kosten für die öffentliche Sicherheit. Für die innere Sicherheit – also Wettkampfstätten und Olympisches Dorf – seien bereits 40 Millionen Euro budgetiert. Bei den Winterspielen in Vancouver 2010 lagen die Sicherheitskosten am Ende, laut Handelsblatt, bei kolportierten 600 Millionen Euro.

Die Bewerbung von Innsbruck und Tirol setze neue Maßstäbe, wird betont. Man wolle die Olympischen Winterspiele redimensionieren und im Sinne der Nachhaltigkeit als so genannten Green Event, der strengen Vorgaben unterliegt, ausrichten. Ein Zugang, der dem Internationalen Olympischen Comité (IOC) gefällt, ist sich Peter Mennel, Generalsekretär des Österreichischen Olympischen Comités, sicher. Er sieht die Chance auf einen Zuschlag, sollten man sich bewerben, bei über 50 Prozent. Hinzu komme für Tirol das Argument, dass nach drei exotischen Austragungssstätten in Russland, Korea und China der Wintersport wieder zu einer seiner Wiegen zurückkehre.

Strittig sind auch die Details zum Bau eines Olympischen Dorfes. Als mögliches Grundstück wird dafür bereits das Areal des Frachtenbahnhofes genannt. Obwohl die ÖBB diesen Grund eigentlich im Zuge des Brennerbasistunnels selbst brauchen. Man habe bereits eine "sehr verbindliche mündliche Zusage" seitens der ÖBB, sagt dazu Peter Mennel.

Liste Fritz einziger Olympiagegner

Seitens der Oppositionspartei Liste Fritz kommt harsche Kritik an der Bewerbung. Sie ist die einzige Fraktion, die sich klar gegen Olympia 2026 ausspricht. Man stößt sich schon an der Fragestellung für den 15. Oktober, die ebenfalls am Montag präsentiert wurde und die da lautet: "Soll das Land Tirol ein selbstbewusstes Angebot für nachhaltige, regional angepasste sowie wirtschaftlich und ökologisch vertretbare Olympische und Paralympische Winterspiele Innsbruck-Tirol 2026 legen?" Diese Formulierung sei "peinlich und höchst manipulativ", so Landtagsabgeordnete Andrea Haselwanter-Schneider. Sie kritisiert, dass die wahren Kosten absichtlich verschleiert würden.

Seitens der FPÖ will man keine Wahlempfehlung hinsichtlich Olympia abgeben. Landesparteiobmann Markus Abwerzger steht der Bewerbung "grundsätzlich positiv" gegenüber, ist sich bezüglich seines Abstimmungsverhaltens aber "auch noch nicht sicher". Man nehme die direkte Demokratie sehr ernst und überlasse den Bürgern die Entscheidung.

Mit "konstruktiver Skepsis" begegnen die Grünen der möglichen Olympiabewerbung. Da er aber kein Freund davon sei, die Leute bei der Hand zu nehmen und ihnen zu sagen, wofür sie zu stimmen hätten, verzichtet man ebenso auf eine Wahlempfehlung, sagt Klubobmann Gebi Mair. Ob die Grünen am Dienstag die präsentierte Fragestellung im Regierungsbeschluss absegnen, ließ er noch offen. Man werde den vom Landeshauptmann präsentierten Entwurf jetzt einmal wirken lassen und schauen, ob diese Fragestellung verstanden werde. Die Grünen bieten auf ihrer Homepage eine Pro- und Kontra-Liste zur möglichen Olympiabewerbung an. Dazu hatte man eigens einen Fragenkatalog an das IOC geschickt.

Grundsätzliches Ja seitens der SPÖ

Ein grundsätzliches Ja zur Olympiabewerbung kommt hingegen von der SPÖ. "Wir haben uns im Landesparteivorstand klar dafür ausgesprochen. Unter der Bedingung, dass es zu einer Volksbefragung kommt und es wie geplant Spiele unter anderen Rahmenbedingungen werden", sagt Landesparteichefin Elisabeth Blanik. Eine Wahlempfehlung für den 15. Oktober wolle sie aber ebenfalls nicht abgeben: "Zumal sich ohnehin niemand von einer Partei sagen lässt, was er hier zu wählen hat." Kritik kommt aber am Text der Fragestellung. Der sei suggestiv pro Olympia, sagt Blanik.

Tirol und Innsbruck wollen sich für die Austragung der Olympischen Winterspiele 2016 bewerben. Es wären die dritten großen Spiele in Innsbruck, nach 1964 und 1976. Man versteht sich als Hort des Olympischer Winterspiele: so richtete Innsbruck 2012 die Youth Olympics und 2016 die Children Olympics aus. 2020 wird die Tiroler Landeshauptstadt noch die World Winter Masters Games abhalten. Die Spiele 2026 sollen als Green Event eine Rückbesinnung auf alte Werte mit sich bringen. In einer viel kritisierten Machbarkeitsstudie ist die Rede von Neudimensionierten Spielen, die nur rund 1,18 Milliarden Euro kosten sollen. Man müsse dazu keine neuen Sportstätten errichten und kein Steuergeld verwenden. Kritiker sprechen von unrealistischen Annahmen. (Steffen Arora, 15.8.2017)