Foto: Orthop. Spital Speising/Alek Kawka

Orthopädin: "Die Schultasche, die für alle passt, gibt es nicht"

16. August 2017, 15:43

Ausreichend breite Riemen, nicht zu schwer: Was die ideale Schultasche ausmacht, analysierten Expertinnen des Spitals Speising in Wien

Wien – Zu Beginn des Schuljahres steht in vielen Familien der Kauf einer neuen Schultasche auf dem Programm. Dabei gibt es einiges zu beachten: Nicht nur Design und Preis sollten für die Taschenwahl entscheidend sein – vor allem die kindliche Gesundheit sollte dabei nicht außer Acht gelassen werden.

Expertinnen des Orthopädischen Spitals Speising in Wien haben in den vergangenen Monaten klinische Tests dazu durchgeführt. Wichtig ist laut der Kinderorthopädin und Oberärztin Karin Riedl vor allem, dass die Tasche individuell ausgewählt wird. "Die perfekte Schultasche, die für alle Kinder passt, gibt es nicht." Entscheidend sei, dass die Tasche richtig eingestellt und richtig getragen werde. Im Rahmen der Untersuchung haben die Ärztinnen Kinder dabei beobachtet und gefilmt, wie sie sich mit einer gefüllten Schultasche auf einem Laufband bewegten.

Höhenverstellbar und leicht beladen

Die ideale Schultasche sollte möglichst nahe am Rücken anliegen, die Unterkante sollte sich in der Höhe der Hüfte befinden. Die Expertinnen empfehlen eine Schultasche, die "mitwächst", deren Rückenteil also höhenverstellbar ist.

Außerdem sollte die Tasche immer beidseitig geschultert werden. Sie nur über einer Schulter zu tragen, nennt Riedl "zwar vielleicht cool, aber ungesund". Wichtig ist auch, was die befüllte Schultasche wiegt. Ihr Eigengewicht inklusive Inhalt sollte nicht mehr als 17 Prozent des Körpergewichts des Kindes ausmachen. In Ausnahmefällen sind bis zu 30 Prozent unbedenklich, wenn der Schulweg nicht länger als zehn Minuten dauert.

Verspannungen und Kopfschmerzen

Die Schulterriemen sollten den Expertinnen zufolge etwa vier Zentimeter breit sein. Sind sie schmaler, ist die punktuelle Last zu groß. Sind sie breiter, könnte das bei einer besonders vollen Schultasche auf die Nackenmuskulatur drücken und damit Verspannungen und sogar Kopfschmerzen auslösen.

Die Expertinnen empfehlen zudem Quergurte. So sollten die beiden Schulterriemen mit einem Brust- und einem Hüftgurt miteinander zu verbinden sein. Sind diese beim Tragen geschlossen, verteilt sich die Gewichtslast optimal. Wenn die Kinder wachsen, sollte regelmäßig überprüft werden, dass der Hüftgurt noch auf dem Becken aufliegt, Gewicht übernimmt und den Bauch des Kindes nicht einschnürt.

Anhand der Videoanalyse hat sich auch gezeigt, dass nicht alle Schultaschen beim Gehen mit den Rotationsbewegungen des Oberkörpers "mitgehen". Den Forscherinnen zufolge sei es aber ideal, "wenn sich die Tasche an die Gehbewegungen anpasst und die Beweglichkeit nicht einschränkt".

Auch durch das richtige Packen kann man die Kinderrücken entlasten, schwere Dinge sollten dazu immer möglichst nahe am Rücken in die Tasche eingeordnet werden.

Große Preisspannen

Ein Test der Arbeiterkammer Steiermark zur Erstausstattung von Tafelklasslern ergab, dass die Preisunterschiede bei Schultaschen und Co. mitunter sehr hoch sind. Dazu hat die AK in insgesamt neun Fachmärkten und Handelsketten die Preise von 23 Produkten erhoben.

Im Rahmen der aktuellen Erhebung wurden Preise für Schultaschensets von 40 Euro (Aktionspreis der Marke Scout) bis 239,95 Euro (Marke Mc Neill) festgestellt. Das bedeutet einen Preisunterschied von rund 500 Prozent.

AK-Marktforscherin Susanne Bauer erklärt jedoch, dass gute Ware auch zu günstigen Preisen erhältlich sein kann. "Wichtig ist, dass die Kunden Preise und Testberichte zum Beispiel über Buntstifte, vergleichen", so die Expertin. (red., 16.8.2017)