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Radpedale: Wenn es klick macht

Kolumne |
18. August 2017, 09:24

Erwin Pröll stürzte, weil er nicht aus den Klickpedalen seines Fahrrades kam schwer – aber das darf kein Grund zur Freude sein

Der Unfall war schmerzhaft – und ist ein "Klassiker": Unlängst stürzte Niederösterreichs Erwin Pröll mit dem Rennrad – und handelte sich etliche Knochenbrüche ein. Der Sturz geschah in einer Standardsituation: Der 70-Jährige wollte an einer Kreuzung halten, blieb in den Klickpedalen hängen – und stürzte.

Egal wie man zu Pröll steht: Unfälle mit Verletzten als "gute Nachricht" zu bejubeln (wie es in diversen Foren geschah) ist letztklassig. Eine andere Diskussion ist aber legitim – ging aber unter: Die über den Sinn von Klickpedalen – auch wenn es auf sie keine universell gültige Antwort gibt.

Kein Abrutschen

Die Vorteile der "Bindungen" sind klar: Sie helfen, Kraft zu sparen. Die optimierte Fußposition bringt Vortrieb, und sinnvoll eingesetzt kann durch "Ziehen" Tempo gewonnen werden. Und: Ein Abrutschen ist unmöglich.

Freilich ist genau das auch die Gefahr der "Klicks". Darum übt man das Ein- und Ausklicken ja auch, bis es in Fleisch und Blut übergeht – und Routine ist.

Kilometersammler

Erwin Pröll hatte diese Routine: 2017 spulte er über 2000 Kilometer am Rennrad herunter. Bloß ist gegen Routinefehler eben niemand gefeit. Nicht im Auto, nicht am Berg, nicht daheim: der vergessene Blick über die Schulter vor dem Öffnen der Autotür. Die nicht eingehängte Sicherung beim Klettergurt. Der Griff zum heißen Topfdeckel. Shit happens. Deswegen aber die Systeme "falsch" oder "gefährlich" zu nennen, wäre dumm.

Freilich: nicht annähernd so dumm, wie sich zu freuen, wenn sich wer verletzt. Egal wer es ist. (Thomas Rottenberg, 18.8.2017)

Hier geht es zum Mitreden: Klickpedale am Fahrrad: Notwendig oder Unsinn?