Neuseeländische Rugby-Legende Colin Meads gestorben

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20. August 2017, 12:44

81-Jähriger litt an Krebs, wurde zum "Spieler des 20. Jahrhunderts" gewählt

Wellington – Der Rugby-Sport trauert um den legendären Neuseeländer Sir Colin Meads: Der langjährige Star der All Blacks erlag am Samstag im Alter von 81 Jahren einer Krebserkrankung.

Der 1,92 m große Meads, der wegen seiner mächtigen Statur den Beinamen "Pinetree" ("Kiefer") trug, wurde 1999 vom neuseeländischen Verband zum "Spieler des 20. Jahrhunderts" gekürt. Meads kam zwischen 1957 und 1971 in 133 Spielen für die All Blacks zum Einsatz, er ist auch Mitglied der Ruhmeshalle des Weltverbandes.

Während seiner beinahe 15 Jahre andauernden Ära als All Black, war die Nominierung Meads für das Team als Selbstverständlichkeit. Er galt während der 1960er Jahre als berühmtester Forward der Welt (Position Lock). Seine Vielseitigkeit bewies Meads, indem er auch als Flanker, Nummer 8 und sogar als Flügel eingesetzt werden konnte.

Legendär waren seine Kraft, sowie seine Fähigkeit, Schmerzen wegzustecken. Ein Match gegen die südafrikanische Provinz Transvaal beendete Mead, obwohl er sich in einem Ruck der gröberen Art den Arm gebrochen hatte. Als ein Arzt nach der Partie die Verletzung bestätigte, meinte "die Kiefer" nur: "Wenigstens haben wir das Scheiß-Match gewonnen."

Erinnerungen an Sir Colin Meads.
newshub

Weihnachtskarten für den Referee

Als beinharter Abräumer war Meads mehrfach in umstrittene Szenen involviert. 1967 wurde er in einem Spiel gegen Schottland wegen gefährlichem Spiel ausgeschlossen – zu diesem Zeitpunkt war er erst der zweite All Black überhaupt, dem so etwas widerfuhr. Die britische Daily Mail kommentierte: "Angesichts von Meads weltweiter Reputation für robustes Spiel, erscheint dieser Vorfall so, als ob ein Einbrecher für Falschparken ins Gefängnis gesteckt wird." Das Verhältnis mit Kevin Kelleher, jenem irischen Referee, der Meads vom Platz gestellt hatte, entwickelte sich in den Folgejahren jedoch bestens. Die Herren schrieben einander Weihnachtskarten.

Meads positionierte sich Ende der 1960er als Unterstützer der damals revolutionären Idee eines offeneren Laufspiels. Die Neuseeländer waren angesichts enttäuschender Resultate gegen die Rivalen aus Südafrika gezwungen, Neues zu wagen. Teamchef Fred Allen war der Initiator einer Entwicklung, die heute als neuseeländische Trademark gilt und die Überlegenheit der All Blacks im internationalen Vergleich begründet. Meads unterstützte seinen Chef. Am Ende einer Tournee mit der Nationalmannschaft sagte er: "Wir sind jetzt alle von dieser Sache namens Running Rugby überzeugt. Wir müssen die Idee jetzt in unsere Klubs bringen und ihnen zeigen, wie gut sie ist."

Nach dem Ende seiner Karriere erfuhr Meads zahlreiche Ehrungen. Erst vor wenigen Monaten wurde anlässlich der Tour der British & Irish Lions durch Neuseeland in seiner Heimatstadt Te Kuiti ein Standbild enthüllt. Trotz seiner zu diesem Zeitpunkt bereits fortgeschrittenen Krankheit, ließ es sich Meads nicht nehmen, bei der Zeremonie eine Rede zu halten. Danach entschuldigte er sich dafür, dass er wohl nicht in der Lage sein werde, so viele Biere trinken zu können, wie er gerne würde. (Michael Robausch – 20.8. 2017)