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Steve Bannon alias Darth Vader will nicht aufgeben, sondern kämpfen

Porträt |
20. August 2017, 17:59

Spätestens nach den gewaltsamen Kundgebungen von Rassisten und Neonazis in Virginia war Steve Bannon für US-Präsident Donald Trump nicht mehr tragbar: Er feuerte ihn

Der Tag, an dem Steve Bannon gefeuert wurde, war noch nicht zu Ende, da saß Donald Trumps Ex-Chefideologe schon wieder unter alten Vertrauten und übernahm wieder die Leitung von Breitbart News, der Onlineplattform, aus der er im Wahlkampf ein rechtes Sprachrohr des New Yorker Baulöwen gemacht hatte.

Bannon denkt nicht daran, sich ins Privatleben zurückzuziehen, so viel ist bereits klar. Er bleibt auf der Bühne – im Ton so ruppig wie immer. "Die Trump-Präsidentschaft, für die wir gekämpft und die wir gewonnen haben, ist passé", sagte er und schob Sätze hinterher, die klangen, als wechsle er vom Kabinett direkt in den Widerstand. "Jetzt bin ich frei. Ich habe meine Waffen wieder zur Hand." Er habe bei Breitbart eine "verdammt gute Maschine" gebaut, die werde er auf Touren bringen.

Widersacher im West Wing

Mit der Opposition sind weniger die Demokraten im Kongress gemeint, vielmehr seine Widersacher im Westflügel des Weißen Hauses – allen voran Ex-General Herbert Raymond McMaster, Trumps Sicherheitsberater, und der ehemalige Goldman-Sachs-Banker Gary Cohn, der ranghöchste Wirtschaftsratgeber. Dazu Jared Kushner, der einflussreiche Schwiegersohn des Präsidenten. Das Tauziehen zwischen einer weltoffeneren Fraktion und nationalistischen Hardlinern werde weitergehen, orakelt Robert Costa von der Washington Post. Im Korsett einer Regierung zu arbeiten, das sei ohnehin schwierig gewesen für einen Mann wie Bannon, der das System durcheinanderwirbeln wollte.

Beim ersten Mal, als sich die Wege Bannons und Trumps kreuzten, 2011, soll der Funke sofort übergesprungen sein. Bannon war ein rechter Aktivist und eher obskurer Filmemacher, Trump der Star der Fernsehshow The Apprentice.

Alles ist erlaubt

Bannon, der ehemalige Investmentbanker und Filmproduzent, machte nach der Finanzkrise des Jahres 2008 das Establishment Washingtons – Demokraten wie Republikaner – für den Crash verantwortlich. Deren wertefreie Politik habe eine Kultur geschaffen, die der Wall Street das Gefühl vermittelte, es sei alles erlaubt – abenteuerliche Finanzakrobatik eingeschlossen.

Später machte er die Bekanntschaft Robert Mercers, eines Hedgefonds-Managers, der ihn finanzierte, damit Bannon sein Korrespondentennetz bei Breitbart ausbauen konnte. Im August 2016 legte er Trump ans Herz, seinem Protegé die Leitung der schwächelnden Kampagne zu übertragen. Trump folgte dem Rat – und damit wurde Bannons Parole bekannt: "America first".

Wie Thomas Cromwell

Er sei wie Thomas Cromwell am Hofe der Tudors, frohlockte der Stratege nach der gewonnenen Wahl und beanspruchte die Rolle des Rebellen, der am Königshof Köpfe rollen ließ. "Finsternis ist gut. Dick Cheney. Darth Vader. Satan. Das bedeutet Macht."

Es war Bannon, der Trumps düstere Rede zur Amtseinführung skizzierte. Es war Bannon, der Regie führte, als Trump einen Einreisestopp für Bürger aus sieben islamisch geprägten Ländern erließ. Es war Bannon, der protektionistische Mauern forderte, um den Vormarsch Chinas aufzuhalten.

Sensenmann im TV

Es dauerte nicht lange, da porträtierte ihn die Satireshow Saturday Night Live als Sensenmann. Es gibt eine Szene, in der er Trump auffordert, den Schreibtisch im Oval Office für ihn zu räumen und stattdessen am Katzentisch Platz zu nehmen, was Trump mit der Servilität eines Untergebenen tut. Doch der echte Trump hasst es, wenn ihm jemand das Rampenlicht streitig macht.

Vergangene Woche rief Bannon dann Robert Kuttner an, den Chefredakteur des linken American Prospect. Er prahlte, er werde im Pentagon wie im Außenministerium eigene Leute einschleusen, um seine Ziele zu fördern, besonders einen härteren Kurs gegenüber China. "Die machen sich in die Hosen", witzelte er über seine Rivalen. Es war wohl der berühmte Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. (Frank Herrmann aus Washington, 21.8.2017)