Foto: APA/AFP/PAUL CROCK

Die Lücke, die Serena Williams hinterließ

21. August 2017, 18:23

Maria Scharapowa ist nach ihrem Comeback noch nicht bei alter Stärke, Serena Williams ist schwanger. Dem Frauentennis fehlt es an Superstars und an einer Dominatorin. Krise? Die Linzer Turnierdirektorin Sandra Reichel sieht es nicht so.

Cincinnati/Linz/Wien – Simona Halep hat es wieder nicht geschafft. Zum dritten Mal hatte die Rumänin am Sonntag die Chance, die Weltranglistenspitze zu übernehmen. Zum dritten Mal scheiterte sie. Diesmal hätte es den Turniersieg in Cincinnati gebraucht. Halep unterlag im Endspiel in nur 56 Minuten Spielzeit der Spanierin Garbine Muguruza 1:6, 0:6.

Also bleibt Karolina Pliskova, vorerst auf dem Tennisthron. Aber auch die Tschechin scheint nicht dafür prädestiniert zu sein, das Frauentennis zu retten. Manche sagen, es steckt in der Krise. Die langjährige Dominatorin Serena Williams (35) ist in der Babypause.

Die Deutsche Angelique Kerber, die 2016 die Australian und die US Open gewann, fiel als Weltranglistenerste in ein Formtief. Und neben Williams fehlen auch andere frühere Stars an der Spitze. Die 30-jährige Russin Maria Scharapowa hat seit dem Comeback nach ihrer Dopingsperre immer wieder Verletzungsprobleme, ist derzeit nur 147. der Weltrangliste. Eine andere ehemalige Spitzenreiterin, die Weißrussin Viktoria Asarenka, ist nach einer Babypause erst im Juni wieder auf die Tour zurückgekehrt.

Asarenka spielt in Linz

Die extrovertierte Asarenka wird im Oktober beim WTA-Turnier in Linz spielen. Manche lieben die 28-Jährige, manche gar nicht. "In Linz kommt sie an", sagt Sandra Reichel, Direktorin des Turniers, das heuer erstmals Upper Austria Ladies Linz heißen wird.

Reichel sieht das Frauentennis überhaupt nicht in der Krise. Natürlich fehle Serena Williams. "Sie ist eine Ausnahmeerscheinung." Die US-Amerikanerin hat das Frauentennis jahrelang geprägt, 23 Grand-Slam-Turniere gewonnen. Jetzt fehlt die große Dominatorin. "Nun ist es eben spannender", sagt Reichel. Früher, sagt sie, habe man generell viel mehr Tennisspielerinnen gekannt.

Reichel ortet hohe Dichte

Reichel ortet auch ein Vermarktungsproblem der WTA. "Man hat sich lange Zeit zu sehr auf Williams und Scharapowa konzentriert." Halep und Pliskova sind ganz andere Typen, weniger extrovertiert. Als Spielerinnen findet Reichel beide interessant, wie auch einige andere. "Die Dichte", sagt sie, "war noch nie so hoch. Wer Nummer eins ist, ist nicht so wichtig."

Für das Turnier in Linz will sie noch die eine oder andere Topspielerin verpflichten. Der Zeitpunkt kurz vor den WTA-Finals ist durchaus praktisch. Wer noch Punkte braucht, wird gern kommen. Als Wunschspielerin nennt Reichel Kerber. "Die würde mir taugen."

In Linz, sagt sie, habe man immer gutes Frauentennis gesehen. Das soll auch in Zukunft so sein. Reichel sieht einige junge Spielerinnen mit großem Potenzial: die Russin Daria Kasatkina (20), die lettische French-Open-Siegerin Jelena Ostapenko (20) oder die US-Amerikanerin Catherine Bellis (18).

Neue Chance für Halep

Simona Halep (25) wird wieder eine Chance bekommen, die Weltranglistenspitze zu übernehmen. Sie liegt nur fünf Punkte hinter Pliskova. Reichel: "Vielleicht ist sie bisher an ihren Nerven gescheitert." Aber auch Muguruza, die sich von Platz sechs auf Platz drei verbessert hat, könnte nach den US Open, die kommenden Montag beginnen, erstmals den Tennisthron besteigen.

Die Lücke, die Serena Williams hinterlassen hat, kann in naher Zukunft wohl nur sie selbst schließen. Die US-Amerikanerin will wenige Monate nach der Geburt ihres Kindes (voraussichtlich September) im kommenden Jahr auf die Tour zurückkehren. Es ist ihr zuzutrauen, dass sie es noch einmal nach ganz oben schafft. (Birgit Riezinger, 21.8.2017)