Indisches Gericht verbietet islamische "Sofortscheidungen"

22. August 2017, 11:42

Muslimische Männer konnten sich mit dreimaligem Ausspruch des Wortes "talaq" von ihren Frauen trennen

Neu-Delhi – "Talaq, talaq, talaq": Nach einer alten muslimischen Tradition reicht die dreimalige Wiederholung des Wortes (übersetzt: Scheidung) aus, um eine Ehe zu beenden – in Indien hat das Oberste Gericht diesen so genannten Blitzscheidungen jetzt ein Ende gesetzt. "Was in der Religion Sünde ist, kann rechtlich nicht gültig sein", erklärte das Gericht am Dienstag.

Das Gericht in Neu-Delhi habe diese "Triple Talaq" oder auch "Sofortscheidung" genannte Praxis am Dienstag mit einer 3:2-Mehrheit für verfassungswidrig erklärt, weil sie das Recht auf Gleichheit vor dem Gesetz verletze, teilte Zakia Soman von der muslimischen Frauenorganisation Bharatiya Muslim Mahila Andolan, die zu den Klägern gehörte, vor Reportern mit. Premierminister Narendra Modi twitterte, die Entscheidung sei "historisch".

Der Premier zeigt sich erfreut.

Gegen die Regeln des Islam

Die Richter – ein Hindu, ein Christ, ein Muslim, ein Sikh und ein Zoroastrier – bewerteten die Blitzscheidungen als verfassungswidrig und gegen die Regeln des Islam. Indien, offiziell ein säkulares Land, erlaubt religiösen Institutionen ein Entscheidungsrecht in Fragen, die sich um Heirat und Scheidung drehen. Die indische Familienministerin Maneka Gandhi bezeichnete das Urteil als "großen Schritt für die Frauen".

Auch eine der Klägerinnen, Shayara Bano, begrüßte die Entscheidung des Gerichts als "historisch" für muslimische Frauen. "Ich appelliere an das Volk, die Entscheidung des Obersten Gerichts zu akzeptieren und nicht zu politisieren", sagte sie nach der Urteilsverkündung. In Indien leben rund 180 Millionen Muslime. Muslime machen damit etwa 14 Prozent der rund 1,3 Milliarden Einwohner Indiens aus.

Für sie gilt ein eigenes religiöses Personenrecht. Das Gremium, das über die Einhaltung dieser Gesetze wacht, das All India Muslim Personal Law Board, hatte sich gegen ein Verbot des umstrittenen Scheidungsbrauchs ausgesprochen. Es handle sich um eine religiöse Angelegenheit, für die das Gericht nicht zuständig sei. Die für den Fall zuständigen fünf Richter entschieden allerdings Medienberichten zufolge mehrheitlich, dass "Triple Talaq" auch gegen die Lehre des Korans verstoße. (APA, 22.8.2017)