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Gegen Schul-Dresscode: Burschen protestieren in schulterfreien Tops

24. August 2017, 07:00

Jungs solidarisierten sich mit Mitschülerinnen, denen das Tragen schulterfreier Tops untersagt wurde

Hollister, Kalifornien – Als letzte Woche das neue Schuljahr in den USA begann, kam es für Schülerinnen der San Benito High School in Kalifornien zu einer Überraschung. Etwa 50 Mädchen wurden nämlich aufgrund von Nichteinhaltung des schulischen Dresscodes abgemahnt, einige von ihnen wurden sogar nach Hause geschickt. Der Grund dafür waren schulterfreie Tops, so wie sie momentan eben gerade in Mode sind.

Eine Schülerin erklärte gegenüber dem Online-Newsportal Yahoo! Style, dass die Kleidungsvorschriften bisher kein Problem gewesen seien. Sie habe im letzten Jahr mehrmals ohne Konsequenzen schulterfreie Tops getragen. Doch dieses Jahr dürfte das Verbot strenger kontrolliert werden. Die oftmals sehr strengen Bekleidungsvorschriften in den USA betreffen häufig vor allem die Outfits von Mädchen und werden deshalb von vielen als sexistisch eingestuft. In einer Protestaktion solidarisierten sich daraufhin einige der Schüler mit ihren Kolleginnen und erschienen am darauffolgenden Tag mit schulterfreien Tops zum Unterricht.

Mehrere Schüler kamen aus Protest und Solidarität mit ihren Kolleginnen mit schulterfreien Tops zur Schule

Einer der Schüler kritisierte außerdem in einem Twitter-Post, dass die Schule anscheinend mit zweierlei Maß messe. Denn auf den Fotos im Jahrbuch der High School tragen die Schülerinnen fast ausnahmslos schwarze, schulterfreie Tops. Die Aktion der Jugendlichen sorgte für Aufregung in sozialen Netzwerken und diversen Medien.

Mehr als eine "Ablenkung"

Vor allem im letzten Schuljahr nahmen die Proteste rund um die meist sexistischen Dresscodes an Schulen zu und machten damit immer öfter Schlagzeilen. Oftmals wurde in der Vergangenheit bei Mädchen mit kurzen Hosen und Röcken oder Tops mit dünnen Trägern das Argument angeführt, dass sie damit eine Ablenkung für die männlichen Schüler und in manchen Fällen sogar für die Lehrer wären. In vielen Schulen werden die Schülerinnen und Schüler, die gegen die Bekleidungsvorschriften verstoßen, für den Rest des Tages der Schule verwiesen und verpassen damit den Unterricht.

Viele der Betroffenen und auch deren Eltern weisen darauf hin, dass es nicht die Schuld der Mädchen sei, wenn ihr Umfeld sie sexualisiere und die Konzentration ihrer männlichen Kollegen darunter leide, wenn an einem heißen Tag ihre Schultern zu sehen seien. Unter dem Hashtag "I am more than a distraction" (dt. "Ich bin mehr als eine Ablenkung") finden sich viele Beispiele für Outfits, die vonseiten mancher Schulen als unpassend eingestuft wurden, und auch Artikel und Protestaktionen zum Thema.

An der San Benito High School hat die Aktion der SchülerInnen und die darauffolgende Aufmerksamkeit anscheinend bereits etwas bewegt. Der Direktor der Schule, Adrian Ramirez, erklärte, ebenfalls gegenüber Yahoo! Style, dass aufgrund dessen eine Diskussion an der Schule angestoßen wurde. Die Schülerinnen und Schüler seien sehr respektvoll und kooperativ gewesen, und er freue sich darüber, ihre Sicht der Dinge dargelegt zu bekommen. Es solle zukünftig ein Komitee aus interessierten Schülerinnen und Schülern geben, damit diese an der Konversation rund um den Dresscode teilhaben können. (jvs, 24.8.2017)