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Thailand: Weniger Werbung für Muttermilchersatz soll Stillen fördern

24. August 2017, 13:00

Ein neuer Erlass soll die Vermarktung von Milchersatzprodukten für Babys eindämmen, damit Mütter mehr stillen

Kuala Lumpur – Thailand will zukünftig die Werbung für Muttermilchersatzprodukte stark einschränken. Das Land hat eine der niedrigsten Stillraten weltweit, die Entscheidung wird daher von vielen Experten als wichtiger Schritt zur Förderung von Stillen in den ersten Lebensmonaten gesehen. Experten fordern zudem bessere Maßnahmen zum Schutz der Mütter in ihrem Recht auf das Stillen.

Stillen als "richtige und leichtere Wahl"

Die verschärften Bedingungen für die Bewerbung der Ersatznahrung sollen nächsten Monat in Kraft treten und sind durch den "Internationalen Kodex für die Vermarktung von Milchersatzprodukten" geregelt. Die UN-Kinderorganisation Unicef befürwortet den Vorstoß. Bereits im April, als das Gesetz erlassen wurde, erklärte ein Sprecher der Organisation, dass "Stillen die richtige und die leichtere Wahl" für Frauen werden muss.

Es gäbe aber dennoch viel zu tun in der Unterstützung stillender Frauen in Thailand. Die weiteren Forderungen umfassen den Ausbau des Mutterschutzes, flexiblere Karenz- und Arbeitszeiten inklusive Kündigungsschutz und Räumlichkeiten am Arbeitsplatz, die Stillen oder Abpumpen in sicherer und sauberer Atmosphäre ermöglichen. Es solle zudem durch Zusammenarbeit mit dem Gesundheitssektor zukünftig nicht mehr wie bisher der Normalfall sein, dass Müttern nach der Entbindung ohne medizinische Notwendigkeit das Füttern mit der Flasche vorgeschlagen oder empfohlen wird.

50 Prozent globale Stillrate bis 2025

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO sei es wichtig, wenn möglich in der ersten Stunde nach der Geburt mit dem Stillen zu beginnen, um sicherzustellen, dass das Neugeborene die erste Milch, genannt Kolostrum, erhält. Diese ist besonders reich an Proteinen und an Inhaltsstoffen, die die Immunabwehr stärken. Das neue Gesetz inkludiert daher auch das Verbot, Gratisproben von Milchersatzprodukten in Krankenhäusern zu verteilen. Die WHO empfiehlt, dass Babys bis zum zweiten Geburtstag gestillt werden, für die ersten sechs Monate ihres Lebens sogar ausschließlich.

Anlässlich der "World Breastfeeding Week" Anfang August wurde ein Report von Unicef und der WHO veröffentlicht, in dem die globalen Standards und Vorteile des Stillens evaluiert wurden. Demzufolge erfüllt momentan keine der 194 Nationen die empfohlenen Standards vollständig. Deren Einhaltung und Förderung könnte jedoch das Leben vieler Frauen und Kinder retten und den Ländern dabei helfen, Kosten im Gesundheitswesen einzusparen. Es ist daher ein globales Ziel, dass bis zum Jahr 2025 50 Prozent der Kinder weltweit in den ersten sechs Lebensmonaten ausschließlich gestillt werden. (Thomson Reuters Foundation, red, jvs, 24.8.2017)