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Studie: Anteil von Akademikern wird steigen

24. August 2017, 10:31

Österreich wird bei den tertiären Abschlüssen aber weiterhin Nachzügler bleiben, sagen Demografen in einer aktuellen Studie

Wien/Alpbach – Eine Studie österreichischer Demografen geht von einer kontinuierlichen Expansion der tertiären Bildungsabschlüsse in Österreich aus. Selbst bei einem deutlichen Anstieg werde der Anteil der Erwerbspersonen mit Tertiärabschluss aber noch mehrere Jahrzehnte signifikant hinter anderen europäischen Ländern zurückbleiben, heißt es in einem Beitrag im Sammelband "Zukunft und Aufgaben der Hochschulen".

Für ihre Studie in dem beim Forum Alpbach präsentierten Band analysierten die Demografen Bilal Barakat und Wolfgang Lutz (beide Institut für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften bzw. Internationales Institut für angewandte Systemanalyse/IIASA) statistische Szenarien für die Entwicklung tertiärer Abschlüsse in den kommenden Jahrzehnten. Aufgrund der neuen internationalen Klassifizierung von Bildungsabschlüssen sind "tertiäre" Abschlüsse in Österreich allerdings nicht mit Hochschulabschlüssen gleichzusetzen. So gilt mittlerweile bereits die Matura an einer berufsbildenden höhere Schule als erster Tertiärabschluss.

Österreich bleibt zurück

"Alles, was nicht eine kontinuierliche Expansion ist, wenn auch nur moderat, stellt einen bedeutenden Bruch mit vergangenen Trends in Österreich und mit der internationalen Erfahrung und Präzedenzfällen dar", stellen die Studienautoren fest. Trotzdem werde Österreich im internationalen Vergleich beim Anteil der Gesamterwerbsbevölkerung mit Tertiärabschluss in den nächsten Jahrzehnten zurückbleiben.

Das ergibt sich einerseits aus dem Ausbau der Tertiärbildung auch in anderen Staaten, andererseits aber auch durch den Verzögerungseffekt: Das Bildungsabschlussprofil der Erwerbsbevölkerung verändere sich deutlich langsamer innerhalb der Zeitspanne eines Menschenlebens: "Selbst wenn die Beteiligung unter jungen Kohorten ihren Expansionskurs unbeirrt fortsetze, würde der Anteil unter der erwerbsfähigen Bevölkerung im besten Alter zwischen 25 und 64 mit einem postsekundären oder tertiären Bildungsabschluss in Österreich die 40-Prozent-Marke erst in den späten 2030ern überschreiten."

Vorreiter Kanada

Dieses Niveau sei heute bereits von etwa einem Drittel der OECD-Länder überschritten – selbst wenn nicht-tertiäre postsekundäre Abschlüsse ausgenommen werden. "In Kanada überschreitet diese Zahl sogar bereits 50 Prozent, ein Niveau, das in Österreich unter den derzeitigen Trends voraussichtlich nicht vor den 2060ern erreicht wird." (APA, 24.8.2017)

Die Studie

Zukunft und Aufgaben der Hochschulen: Digitalisierung – Internationalisierung – Differenzierung"; Hrsg.: Rat für Forschung und Technologieentwicklung, LIT Verlag, 448 Seiten, 34,80 Euro