Nach Zugunglück: Französin wurden beide Arme wieder angenäht

28. August 2017, 11:40

Geistesgegenwärtige Helfer hatten die abgetrennten Gliedmaßen steril und eisgekühlt eingepackt – nun konnten sie der Patientin erfolgreich wieder angenäht werden

Einem französischen Operationsteam ist es gelungen, einer 30-jährigen Frau ihre beiden Arme wieder anzunähen, die sie bei einem Zugsunglück verloren hatte. Wie der Chirurg Michael Bouyer von der Universitätsklinik Grenoble nun mitteilte, können die Muskeln der Frau zwar nicht vollständig reaktiviert werden, es werde jedoch besser sein als mit einer Prothese.

Die Frau war am 14. August im Bahnhof von Chambery, rund 60 Kilometer von Grenoble entfernt, auf die Gleise gefallen, als der Zug losfuhr, in den sie einsteigen wollte. Eingequetscht zwischen Zug und Bahnsteig, wurden ihr beide Arme abgerissen. Geistesgegenwärtige Helfer sorgten dafür, dass die abgetrennten Gliedmaßen in eisgekühltem sterilen Material aufbewahrt und zusammen mit der Patientin schnell in die Klinik gebracht wurden.

Zwei Jahre Physiotherapie

Etwa zwei Stunden nach dem Unfall erfolgte die Operation, bei der zwei Teams in je vier Stunden jeweils einen Arm annähten. Laut Bouyer geht es der zunächst stark traumatisierten Patientin mittlerweile besser. Nach ihrer Genesung werde sie zwischen eineinhalb und zwei Jahren Physiotherapie benötigen, um ihre Gliedmaßen bewegen zu können. Einige Bewegungen, insbesondere der Hände, würden schwierig bleiben.

Die weltweit erste Transplantation von zwei kompletten Armen war 2008 am Klinikum rechts der Isar der Technischen Universität (TU) München gelungen. Der Patient war ein 54-jähriger Landwirt, dem sechs Jahre zuvor bei einem Arbeitsunfall beide Arme abgerissen worden waren. Später glückten ähnliche Operationen auch in China und in Indien. (APA, 28.8.2017)