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Tschechien: Präsident sorgt mit Burkini-Kritik für Aufsehen

28. August 2017, 12:06

Miloš Zeman hat Bedenken, welche "Schweinereien" die Anzüge beinhalten könnten

Prag – Tschechiens Staatspräsident Miloš Zeman hat mit einer Äußerung über Burkinis Aufsehen erregt. Er sehe keinen Grund, warum man das Tragen von Burkinis in Tschechien tolerieren solle, sagte er der Tageszeitung "Blesk". Man wisse nie, welche "Schweinereien diese Textilien beinhalten können", so Zeman in Anspielung auf hygienische Bedenken.

"Schweinereien" im Burkini

"In tschechischen Schwimmbädern gibt es keinen Grund, dass jemand in arabischer Kleidung badet", meinte Zeman. Allerdings hänge das auch vom Aussehen der Frau ab – es gebe Frauen, die aufgrund ihrer Proportionen "so gründlich wie möglich verhüllt" sein sollten. Mit Blick auf den umstrittenen Ganzkörperbadeanzug Burkini – er bedeckt bis auf Gesicht, Hände und Füße alle Körperteile – erklärte Zeman jedoch: "Aus der Sicht der elementaren Hygiene weiß man nie, was für Schweinereien diese Textilien beinhalten könnten."

Die Bemerkung, dass Burkinis aus dem üblichen Material für Schwimmbekleidung hergestellt seien und laut ExpertInnen keine hygienische Bedrohung darstellten, wies Zeman mit Worten zurück, dass er selbst "kein Experte für Schwimmanzüge" sei. Der Präsident, der im Jänner zur Wiederwahl antritt, ist für seine islamkritischen Äußerungen bereits bekannt.

Keine einheitliche Regelung

Der Umgang mit Burkinis wird in tschechischen Schwimmbädern ähnlich wie in Österreich unterschiedlich gehandhabt – in manchen sind die Badeanzüge erlaubt, in anderen nicht. Fotos von in Burkinis badenden Touristinnen in einem Freizeitbad bei Prag hatten vor kurzem eine Debatte ausgelöst. In Frankreich wurden Burkinis nach dem Anschlag von Nizza im vergangenen Jahr in einigen Badeorten an der Cote d'Azur verboten. Die meisten Verbote wurden nach einer Grundsatzentscheidung des Obersten Verwaltungsgerichts jedoch wieder gekippt. (APA, 28.8.2017)