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Zeichen gegen Trump: Kanadas Militärchef geht auf Pride-Parade

28. August 2017, 20:48

General Jonathan Vance will mit seiner Teilnahme zeigen, dass in Kanadas Militär alle willkommen sind. Die USA bewegen sich in die entgegengesetzte Richtung

Ottawa/Washington/Wien – Sie mögen Nachbarländer sein, doch in manchen Bereichen könnte der Kontrast zwischen den USA und Kanada kaum stärker sein: In Kanada hat General Jonathan Vance, der oberste militärische Befehlshaber, am Sonntag gemeinsam mit Premierminister Justin Trudeau an der "Ottawa Capital Pride"-Parade teilgenommen. In den Vereinigten Staaten hingegen hat Präsident Donald Trump am Freitag eine Verordnung erlassen, die ab März 2018 einen Rekrutierungsstopp für Transgender bei den US-amerikanischen Streitkräften vorsieht.

Keine Abgrenzung in Kanadas Militär

Laut Vance gibt es für seine Entscheidung, an der Parade teilzunehmen, zwei einfache Gründe. Einerseits wolle er seine Unterstützung für die Männer und Frauen der LGBT+-Community des Militärs demonstrieren, anderseits sei es an der Zeit zu zeigen, dass es im kanadischen Militär keine Abgrenzung gebe, "egal, ob es darum geht, woher man kommt oder welche sexuelle Orientierung man hat oder sonst irgendwas."

Militärchef Jonathan Vance (Mitte) marschiert mit, denn er möchte, dass sich alle willkommen fühlen.
foto: reuters/chris wattie

Der General nahm zum ersten Mal an dem Marsch teil, für Premier Trudeau hingegen war es keine Premiere: Es ist das dritte Mal, dass er als Regierungschef Kanadas an einer Parade teilnimmt, zuvor war er 2016 und im Juni 2017 bei der Pride-Parade Toronto und im August 2017 bei der Pride-Parade Montréal mitmarschiert. Auch vor seiner Zeit im Amt war er regelmäßig bei den Umzügen gesichtet worden. Trudeau ist nicht nur der erste Premierminister des Landes, der je an einer Pride-Parade teilgenommen hat. Er ist auch der erste, der sich dazu entschieden hat, im Juni, dem sogenannten "Pride-Monat", die Regenbogenflagge vor dem Parlament hissen zu lassen.

Voller Stolz: Kanadas Premierminister Justin Trudeau bei der Pride-Parade Montréal am 20. August 2017.
foto: ap/graham hughes

"Der Staat hat nichts im Schlafzimmer zu suchen"

Es war Trudeaus Vater Pierre Trudeau – 1968 bis 1979 und 1980 bis 1984 Premierminister Kanadas –, der als einer der ersten Politiker Kanadas versöhnliche Worte gegenüber der LGBT+-Gemeinschaft aussprach, als er 1967 sagte: "Was Homosexualität angeht – ich denke der Staat hat nichts in den Schlafzimmern der Nation zu suchen." Unter seiner Regierung folgte 1969 die Entkriminalisierung von Homosexualität zwischen Erwachsenen über 21 Jahren im Strafgesetzbuch. 1999 legte der Oberste Gerichtshof Kanadas die Gleichberechtigung homosexueller Paare fest, 2005 wurde die Ehe für alle landesweit eingeführt. Die Vereinigten Staaten hinken deutlich hinterher: Beispielsweise wurde die gleichgeschlechtliche Ehe landesweit erst im Juni 2015 legalisiert – mehr als ein Jahrzehnt später als in Kanada.

Auch im Militär läuft die Entwicklung in den beiden Ländern nicht erst jetzt unterschiedlich: Während in Kanada die Sperre für Homosexuelle und Transsexuelle im Militär 1992 aufgehoben wurde, musste man in den Vereinigten Staaten mehr als 20 Jahre länger darauf warten. Der ehemalige Präsident Barack Obama schaffte 2011 die "Don’t Ask Don’t Tell"-Regelung ("Frag nicht, erzähl’s nicht"), das Gesetz zum Ausschluss von Homosexuellen, ab. Transgender dürfen sogar erst seit 2016 im US-Militär dienen, ab 2018 wieder nicht mehr.

Massive Kritik an Trump

Eine Entscheidung, die Trump übrigens sowohl vonseiten der Demokraten als auch in seinen eigenen Reihen scharfe Kritik einbringt: Mehrere republikanische Senatoren, darunter die Kriegsveteranen John McCain und Joni Ernst, meldeten sich prompt zu Wort, um sich gegen die neue Regelung auszusprechen. Selbst Lindsey Graham, republikanischer Senator für South Carolina, der sich zuvor gegen die Ehe für alle und Gesetze zum Schutz von LGBT+-Arbeitnehmern ausgesprochen hatte, meinte: "Ich weiß nicht, warum er sich so entschieden hat, wie er es eben hat. Aber ich denke, es sollte eine Anhörung geben, damit wir uns beide Seiten anhören können."

Tammy Duckworth, die demokratische Senatorin für Illinois, die im Irakkrieg beide Beine verloren hat, sagte in einem Statement: "Wer bereit ist, sein Leben für unser Land zu geben, sollte im Militär dienen dürfen. Alles andere wäre nicht nur diskriminierend, sondern auch kontraproduktiv für unser Militär und die nationale Sicherheit." (Carla Márquez, 28.8.2017)