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New Yorker Polizei schwört Windows Phone ab, kauft 36.000 iPhones

29. August 2017, 09:54

Smartphone-Projekt gilt als Erfolg, Wechsel aber wegen mangelnden Supports nötig – Kritik an Initiatorin

Mehr als zwei Jahre lang hat die Polizei von New York (NYPD) damit zugebracht, zahlreiche Beamte mit neuen Smartphones auszurüsten und eigene Apps nebst interner Plattform für diese zu entwickeln. Nun steht das Projekt vor einem großen Umbruch.

Denn zum Start der Initiative, mit der man zu besserer Kommunikation und Arbeitseffizienz beitragen wollte, hatte man auf Windows Phone 8 gesetzt. Die genutzten Geräte, Microsofts Lumia 640 XL und Lumia 830 hätten eigentlich auf Windows 10 Mobile aktualisiert und weiter verwendet werden sollen, hieß es noch vor einem Jahr. Nun hat man sich anders entschieden. Man sagt dem Microsoft-Betriebssystem ade und möchte laut "New York Post" stattdessen iPhones für die 36.000 Beamten anschaffen.

Kein Support mehr für verwendete Handys

Der Grund ist in der mangelnden Popularität des mobilen Windows zu suchen. Anfang 2017 schilderten die Marktforscher IDC dessen weltweiten Marktanteil mit 0,1 Prozent aus. Netmarketshare gibt aktuel 0,089 Prozent an. Auch Microsoft selbst hat die Unterstützung weitestgehend eingestellt. Softwareseitig wird die Entwicklung weiter vorangetrieben, die Herstellung eigener Smartphones wurde jedoch beendet.

Der offizielle Support für das Lumia 830 seitens Microsoft ist schon länger ausgelaufen, jener für das Lumia 640 XL wurde mit dem Creators Update eingestellt. Die Telefone können bei Unfällen und Defekten auch nicht mehr ersetzt werden. Das spärliche Angebot an neueren Geräten von Drittanbietern dürfte das NYPD ebenfalls nicht überzeugt haben.

Kritik an Initiatorin

Während das Smartphone-Projekt mit konfiszierten Geldmitteln finanziert worden war, verursachen der Umstieg auf Apple-Handys und die Neuentwicklung der eigenen Apps nun Kosten, mit denen nicht geplant worden war. Intern soll es laut New York Post deshalb bereits heftige Kritik an der Initiatorin Jessica Tisch geben, die als Vizechefin der Polizei-IT für die damalige Wahl des Betriebssystems verantwortlich gewesen sein soll.

"Niemand kauft 36.000 Smartphones aufgrund der Einschätzung einer Person. Es ist mir egal, ob du Jesus bist oder nicht, du holst dir eine Gruppe von Experten", wird ein anonymer Polizeimitarbeiter zitiert. Schon vor zwei Jahren galt die Zukunft von Windows auf Handys als gefährdet. Eine offizielle Stellungnahme zur Situation liegt derzeit noch nicht vor.

Umstellung prinzipiell erfolgreich

Trotz des notwendigen Wechsels soll die Initiative aber prinzipiell erfolgreich gewesen sein. Im vergangenen Juni meldete man einen Rückgang der Reaktionszeit auf Verbrechensmeldungen von 12,6 Prozent seit der Verteilung der Handys. In besonders akuten Fällen, in denen ein Verbrechen gerade im Gange war, sei sie um 12 Prozent – von etwa mehr als fünf Minuten auf vier Minuten und 26 Sekunden gesunken, schrieb MS Poweruser.

Bei einem Notruf erhalten die Beamten im Einsatz sämtliche wichtigen Informationen direkt auf ihr Smartphone und müssen nicht mehr auf Einweisungen durch einen Koordinator in der Funkzentrale warten. (gpi, 29.08.2017)