El Salvador: Neue Gerichte im Kampf gegen Gewalt an Frauen

Eigene Gerichte, an denen Fälle von Gewalt gegen Frauen verhandelt werden, sollen zu mehr Verurteilungen führen

Mitglieder einer Gang aus Guatemala City warten auf ihr Urteil. In Guatemala gibt es bereits seit einigen Jahren Gerichte, an denen speziell Fälle von Gewalt gegen Frauen verhandelt werden.

foto: reuters/jorge dan lopez

San Salvador – El Salvador gilt als eines der gefährlichsten Länder der Welt, in kaum einem anderen Land werden im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung so viele Frauen ermordet. Die Vereinten Nationen schätzen, dass vier von fünf Frauenmorden ungeahndet bleiben. Ein neues Gericht für Frauen soll das nun ändern.

Niedrige Verurteilungsrate

In Zukunft soll es in El Salvador Gerichte geben, in denen ausschließlich Gewaltverbrechen gegen Frauen verhandelt werden. Damit folgt der zentralamerikanische Staat ähnlichen Vorbildern aus Ländern wie Guatemala, Nepal, Liberia und Spanien. UN Women bescheinigt dem Konzept im Kampf gegen sexuelle und häusliche Gewalt gegen Frauen positive Resultate. In El Salvador nehmen bald zwei dieser Gerichte den Betrieb auf, bis zum Ende des Jahres sollen weitere vier dazukommen.

Glenda Baires, eine Richterin mit 15 Jahren Berufserfahrung, wird als eine von bisher zwei ernannten Richterinnen den Vorsitz über eines der Frauengerichte innehaben. Baires will in ihrer neuen Rolle dafür sorgen, dass mehr gewaltsame Verbrechen gegen Frauen verurteilt werden. Bisher blieben die meisten Fälle von Gewalt oder Mord an Frauen ohne Konsequenzen für die Täter, nur etwa einer von fünf Morden an Frauen wird aufgeklärt und führt zu einer Verurteilung.

Die Gesellschaft legitimiert Gewalt

Den Grund dafür sieht Baires in der von Machismo geprägten Gesellschaft El Salvadors, wo die Missachtung gegenüber Frauen quasi zum Normalfall geworden ist. Um dem entgegenzuwirken, wurde Femizid, also die Ermordung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts, im Jahr 2010 als eigener Straftatbestand mit bis zu 50 Jahren Haft bei einer Verurteilung eingeführt. Doch zu Verurteilungen kommt es selten. Die Gesellschaft und die Gerichte, so Baires, würden Gewalt an Frauen dulden und teilweise sogar rechtfertigen. Sie erzählt, dass Gewalt beispielsweise damit gerechtfertigt und entschuldigt wird, dass Frauen spät abends ausgehen oder "weil das Essen nicht rechtzeitig fertig war".

ExpertInnen glauben, dass die Frauengerichte mit Richterinnen, die speziell in Bezug auf Gewalt gegen Frauen und den zugehörigen Gesetzen geschult sind, die Opfer eher unterstützen würden und damit die Seite der Strafverfolgung stärken könnten. Baires hofft, dass eine erhöhte Zahl an Verurteilungen die Botschaft aussendet, dass Gewalt gegen Frauen inakzeptabel ist, die Täter bestraft werden und man Frauen damit Vertrauen in das juristische System gibt.

Mord als letzter Schritt

Noch wichtiger für die Vermeidung von Frauenmorden sind jedoch Präventivmaßnahmen: Eine Vielzahl an Studien und Berichten, wie beispielsweise von der Weltgesundheitsorganisation WHO, belegen, dass die Mörder von Frauen sehr häufig ihre aktuellen oder ehemaligen Partner sind. Dabei ist der Mord meist nicht die erste und einzige Gewalttat, sondern in der Regel kommt es bereits davor über längere Zeit zu Gewalt in verschiedenster Form. Präventive Schritte im Umgang mit physischer, psychischer und sexueller Gewalt an Frauen könnten demnach dazu beitragen, dass es gar nicht zum Femizid kommt. (Reuters, red, jvs, 30.8.2017)

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