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Wrabetz' "Plan B": Kein ORF-Neubau, keine Ablöse nach der Wahl

29. August 2017, 13:48

Funkhaus: Bisher ging nur "Wiese" an Rhomberg

Wien – ORF-General Alexander Wrabetz verabschiedet sich im APA-Interview wieder ein Stück weiter vom Neubau für Programmmitarbeiter auf dem Küniglberg. Mit seiner Ablöse nach der Nationalratswahl rechnet er nicht, sagt er.

Wrabetz Plan "B", baulich

Zumindest bis Jahresende bleibt offiziell noch offen, wie es mit dem ORF-Standort weitergeht. Dort setzte er die Deadline für eine Entscheidung, ob noch etwas wird aus dem Zubau mit dem großen trimedialen Newsroom oder ob nicht zuletzt Anrainerproteste und ausstehende behördliche Genehmigungen dem einen Strich durch die Rechnung machen. Ein "Plan B" steht jedenfalls in Grundzügen, betont Wrabetz.

Im Wesentlichen würde der auf den Verzicht auf einen Neubau am Küniglberg und den Erhalt des Funkhauses hinauslaufen. Der Standort Heiligenstadt (Ö3, ORF On) soll jedenfalls aufgelassen werden. Dass die Onliner schon heuer nach Hietzing übersiedeln sollen, ist bekannt, "nach der Wahl" ist nun der geplante Zeitpunkt dafür. Das Funkhaus würde auch nach "Plan B" teilweise verkauft. Heuer wurde als erste Tranche ein unbebautes Grundstück – Wrabetz beschreibt es als "Wiese" – an die Rhomberg-Gruppe veräußert. Viel Geld sehe man dafür derzeit aber noch nicht, da die Liegenschaft noch umgewidmet werden muss, um eine Wertsteigerung zu erreichen. Für allfällige weitere Transaktionen wurde mit Rhomberg eine Frist bis Mitte 2018 vereinbart.

Bleibt es bei Plan A, werde man das ursprüngliche Budget von 303 Mio. Euro jedenfalls einhalten können, versichert Wrabetz, auch wenn man beim bereits fertiggestellten Hauptgebäude um rund 15 Prozent überzogen hat. "Wir haben ein Konzept ausgearbeitet, nach dem wir jedenfalls bei den weiteren Bauteilen im Rahmen des Budgets bleiben – und das, was wir beim Bauteil eins überzogen haben, aufholen werden." Eine abgespeckte Version wäre ohnehin entsprechend günstiger.

Wrabetz Plan B, persönlich

Wrabetz wurde vor einem Jahr wiedergewählt, seine dritte Funktionsperiode startete mit 1. Jänner 2017. Viel Wind gab es um die geplante Reform der TV-Information ("Channel Manager" für ORFeins und ORF 2), die er letztendlich bis nach der Nationalratswahl verschob. Dass er hier allzu sehr mit dem Blick auf die Politik agiere, weist er zurück. "Das ist weder Taktik noch zaudern. Ich habe die Verantwortung dafür, dass wir uns gerade in den Wahlzeiten darauf konzentrieren, gute und untadelige Sendungen abzuliefern und nicht ein Strukturprojekt, das auch drei Monate später umgesetzt werden kann, durchzupeitschen". Der Erfolg der bisherigen Wahlberichterstattung gebe ihm recht, lobt Wrabetz die Info-Teams seines Hauses.

Und womit rechnet er selbst nach der Wahl? Dass die neue Regierung – früher oder später – das ORF-Gesetz ändern wird, ist zu erwarten. Wrabetz ortet dieser Tage eine "steigende Aggressivität" bei der Konkurrenz – "den deutschen Privatsendern", wie er es gerne mit einem Seitenhieb auf die um ATV ergänzte ProSiebenSat1Puls4-Gruppe formuliert. Da gelte es nun verstärkt zu argumentieren, warum es einen starken öffentlich-rechtlichen ORF für den österreichischen Medienstandort brauche. "Das werden wir tun." Um seinen Job macht er sich keine Sorgen, versichert er. Zwar wäre es nicht das erste Mal, dass eine neue Koalition den amtierenden General per Gesetzesänderung vom Küniglberg entfernt. "Ich bin für fünf Jahre gewählt", sagt Wrabetz. "Ich gehe nicht davon aus, dass man nur unter dem Vorwand, bei den Gremien etwas zu ändern, meine Geschäftsführungsperiode verkürzt." (APA, red, 29.8.2017)