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Ludwig: "Gegenkandidatur schreckt mich nicht"

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29. August 2017, 16:38

Mitten im Nationalratswahlkampf ist das Rennen um die Nachfolge des Wiener Bürgermeisters Michael Häupl voll angelaufen

Wien – Der Beitrag der Wiener SPÖ für den Nationalratswahlkampf von Christian Kern steht derzeit "im Mittelpunkt". Das sagen die führenden Kräfte der Landespartei aktuell unisono – von Bürgermeister Michael Häupl abwärts. Nachdem Häupl am Wochenende aber selbst seinen Rückzug als Landesparteichef mit Ende Jänner 2018 konkretisiert hatte, ist das Rennen um seine Nachfolge trotz Wahlkampfs voll angelaufen.

Nach der Ankündigung von Bürgermeister Michael Häupl im Jänner zurückzutreten, ist nun die Nachfolge-Diskussion voll entbrannt. Wohnbau-Stadtrat Michael Ludwig kündigt seine Kandidatur an.
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Wohnbaustadtrat Michael Ludwig bekräftigte dabei seinen Antritt beim Landesparteitag. "Ich bin von größeren Teilen der Partei ermuntert worden, und ich registriere eine starke Zustimmung", sagte Ludwig im STANDARD-Gespräch. Ob es eine Gegenkandidatin oder einen Gegenkandidaten geben wird, "wird man sehen". Ludwig gibt sich jedenfalls selbstbewusst: "Eine Gegenkandidatur schreckt mich nicht." Eine Festlegung der Wiener Partei auf einen gemeinsamen Kandidaten – also auf ihn – sei aber die beste aller Lösungen.

Kritik von Frauenberger

Demgegenüber steht die Einschätzung von Sozialstadträtin Sandra Frauenberger, wonach Ludwig "derzeit kein einender Kandidat" sei. Diese Aussage hatte die Ludwig-Kritikerin aus dem linken Flügel der Wiener Roten in einem STANDARD-Interview Ende Mai getätigt. Ludwig verwies darauf, dass Frauenberger "derzeit" gesagt habe. "Ich werde nach dem Nationalratswahlkampf mit Kollegin Frauenberger konstruktive Gespräche führen." Auf die Frage, ob das als ausgestreckte Hand in Richtung Frauenberger zu werten sei, sagte Ludwig: "Ja."

Peter Filzmaier analysiert die Situation in der Wiener SPÖ im "Wien heute"-Studio.
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Frauenberger selbst wollte zur Kandidatur Ludwigs keine Stellungnahme abgeben. "Ich bin im Nationalratswahlkampf", sagte sie am Dienstag am Rande eines Medientermins. Einen Seitenhieb konnte sie sich aber nicht verkneifen. "Das würde ich allen anderen auch raten."

Kein Kommentar von Häupl zu Ludwig

Häupl wollte Ludwigs Kandidatur mit Hinweis auf den Wahlkampf ebenfalls nicht kommentieren. Für Andreas Schieder, dem auch Ambitionen auf die Häupl-Nachfolge nachgesagt werden, "gibt es jetzt nur die Nationalratswahl", sagte der SPÖ-Klubchef im Parlament dem STANDARD. "Daher kommentiere ich alle diese Fragen zur Wiener Stadtpolitik nicht."

Ludwig will sich laut Eigenangaben an die Vereinbarung halten und bis zur Nationalratswahl am 15. Oktober keine Stellungnahme zur Personaldebatte und zum schwelenden Streit in der Wiener SPÖ abgeben. Klar sei für Ludwig nur, dass der nächste Landesparteivorsitzende wie bisher auch Bürgermeister sein solle. Eine Ämtertrennung mache keinen Sinn, eine "klare, einheitliche Stimme" der Partei sei nötig. Er stehe für beide Funktionen "zur Verfügung".

Genau diese Ämtertrennung hatte im Frühjahr vor dem vergangenen Landesparteitag eine Gruppe von Häupl-Kritikern um Ludwig aber gefordert. Das sei "nur als Übergangslösung" gedacht gewesen, sagte Ludwig.

Wiener Neos gegen Ludwig

Wenig begeistert von Ludwig als möglichem Häupl-Nachfolger zeigten sich die Neos. "Ludwig ist in den verkrusteten Strukturen groß geworden und hat es sich darin fein eingerichtet", sagte Landesparteichefin Beate Meinl-Reisinger. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache forderte die SPÖ auf, nach dem Rückzug von Häupl vorgezogene Neuwahlen abzuhalten. Häupl habe eine "Schreckensbilanz" zu verantworten. SPÖ-Landesparteisekretärin Sybille Straubinger antwortete, dass Häupls Leistungen mit der lebenswertesten Stadt der Welt "untrennbar verbunden" seien. (David Krutzler, 29.8.2017)