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"Jugend ohne Gott": Tödliche Studieneingangsprüfung

30. August 2017, 15:54

Alain Gsponers blasse Neuverfilmung von Ödön von Horváths 1937 erschienenem Roman

Wien – Es gehört zur menschlichen Tradition, der Jugend moralische Defizite nachzusagen. Ödön von Horváths 1937 erschienener Roman Jugend ohne Gott, in dem ein Lehrer mit der Charakterlosigkeit seiner Schüler konfrontiert wird, ist jedoch mehr als Generationenschelte. Die unverkennbare Kritik an einer nationalsozialistisch geprägten Gesellschaft wurde 1938 als unerwünscht eingezogen.

Künftige Leistungsträger bei der Arbeit: "Jugend ohne Gott".
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Für die mittlerweile fünfte Verfilmung des Romans hat Regisseur Alain Gsponer die Handlung mit den Drehbuchautoren Alexander Buresch und Matthias Pacht in eine nahe Zukunft verlegt. Die Bürger sind in Leistungsträger und Leistungsempfänger eingeteilt, die Städte in entsprechende Zonen eingeteilt. Um ihr Leben abzusichern, rittern Jugendliche allsommerlich in einem Abenteuercamp um einen Platz an einer Eliteuniversität. Dabei scheint dieses Ferienlager, in dem Jugendliche zum Beispiel Orientierungsläufe absolvieren, weniger von konkreten gesellschaftlichen Problemen – es herrscht immerhin Handyverbot – als von Blockbustern wie Die Tribute von Panem inspiriert. Ein Todesfall im Lager überrascht da ebenso wenig wie der Umstand, dass nicht im Wald hausende "Illegale" die größte Gefahr darstellen.

Wohl um es für jene, die die Vorlage nicht kennen, spannender zu machen, werden die Ereignisse nicht mehr chronologisch, sondern aus drei einander zeitlich überlappenden Blickwinkeln gezeigt. In einem ersten Akt folgt man der reichlich nervigen Streberin Nadesh (Alicia von Rittberg), ehe das Geschehen durch die Erlebnisse des bald unter Mordverdacht stehenden Rebellen Zach (Jannis Niewöhner) eine neue Bedeutung bekommen. Die Klärung der Schuldfrage obliegt schließlich dem Lehrer (Fahri Yardim). Mit dieser Dreiteilung fehlt dem Film jedoch eine Identifikationsfigur.

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Der Film, bei dem sich jede Auseinandersetzung mit Religion nur noch auf den Titel beschränkt, leidet am meisten unter der Absenz jeglicher Subtilität. Hinter jedem Satz, hinter jedem Blick spürt man förmlich das Ausrufezeichen: Achtung, hier läuft etwas schief! Mit der slicken Inszenierung seiner telegenen Besetzung gerät Jugend ohne Gott zu platt, um wirklich unter die Haut zu gehen. (Dorian Waller, 30.8.2017)