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Forschungsroboter nach einem Jahr in der Tiefsee geborgen

31. August 2017, 07:00

Tramper rollte ein halbes Jahr lang über den Meeresboden, dann fuhr er sich wegen einer blockierten Kette fest

Bremerhaven – Freude am Alfred-Wegener-Institut (AWI): Die Bergung des Unterwasserroboters Tramper, der über ein Jahr lang in der arktischen Tiefsee verbracht hatte, ist geglückt. In der Zwischenzeit war der im Juli 2016 ausgesetzte Roboter in 2.435 Metern Tiefe über den Meeresboden gerollt – es war der erste Langzeiteinsatz eines Kettenfahrzeugs unter dem arktischen Meereis.

"Wir sind zunächst an seiner Aussetzstelle abgetaucht und haben auch genau die Stelle gefunden, an der wir Tramper abgesetzt haben", meldete der wissenschaftliche Expeditionsleiter Frank Wenzhöfer von Bord des Forschungseisbrechers Polarstern. Für die Bergung wurde das ferngesteuerte Unterwasserfahrzeug ROV Kiel 6000 zu Wasser gesetzt. Die Forscher konnten anschließend über dessen Kameras live zuschauen, wie das ROV den Spuren des Trampers folgte.

Auf ein akustisches Signal hin warf Tramper Ballast ab, um an die Meeresoberfläche aufzusteigen – das dauerte insgesamt zwei Stunden. Anschließend konnten ihn die Expeditionsteilnehmer dann mit einem Schlauchboot zur Polarstern ziehen und mit einem Kran an Deck hieven.

Festgefahren

"Wir konnten sehen, dass er gefahren war und auch sein Zustand sah noch einwandfrei aus", sagt Wenzhöfer. "Als wir ihn dann in den Kameras auftauchen sahen, waren wir zunächst etwas verwundert, dass er quer zur Fahrtrichtung stand." Des Rätsels Lösung: Ein Kettenantrieb war ausgefallen, so dass der Tramper sich in der zweiten Hälfte seiner Einsatzzeit um sich selbst gedreht hatte.

Das ist der einzige Wermutstropfen der Mission: Die blockierte Kette bedingte, dass Tramper ab Jänner an derselben Stelle bleiben musste. Seine Messungen des Sauerstoffgehalts des Sediments konnte er aber weiterhin durchführen. "Die ersten 24 Wochen zeigen spannende Daten, die wir nun weiter auswerten werden. Wir können also jetzt etwas über die Variation der Sauerstoffzehrung im arktischen Meeresboden über ein halbes Jahr (Juli bis Dezember) aussagen", sagt Wenzhöfer.

Eine positive Überraschung war allerdings die Batterieleistung des Messroboters: Tramper hat nur etwa die Hälfte verbraucht und hätte somit fast nochmal ein Jahr unterwegs sein können.

Hintergrund

Die Sauerstoffmessungen sollen zum Verständnis beitragen, wie der Kohlenstoffkreislauf im Meer genau funktioniert, wie die Organismen am Meeresboden mit Nahrung versorgt werden und welche Veränderungen im Zuge des Klimawandels auftreten. (red, 31. 8. 2017)