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Wie Neandertaler ihren Superkleber herstellten

4. September 2017, 07:00

Das Verfahren, um sogenanntes Birkenpech zu gewinnen, ist einfacher als bisher gedacht, wie neue Experimente zeigen

Leiden – Unsere ausgestorbenen Verwandten produzierten bereits vor 200.000 Jahren Klebstoff, mit dem sie unter anderem Steinklingen an Schäften befestigten. Dieses sogenannte Birkenpech verwendete übrigens auch Ötzi für seine Axt. Bisher gingen Forscher davon aus, dass man bei der Herstellung des Klebers aus Birkenrinde genau auf die Temperatur achten muss. Sie sollte ziemlich genau 350 Grad betragen, +/- 20 Grad.

Luftdichte Versiegelung

Doch offenbar geht die Produktion deutlich einfacher, wie Forscher um Paul Kozowyk (Uni Leiden) im Fachmagazin "Scientific Reports" schreiben, die Versuche quasi unter paläolithischen Bedingungen durchführten. Entscheidend sei demnach nur eine weitgehend luftdichte Versiegelung, damit die Rinde nicht verbrennt oder verkohlt, sondern lediglich verschwelt.

Birkenpech, wie das hier experimentell hergestellte, besteht aus Teer und veraschter Rinde.
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Bei den einfachsten Versuchen bedeckten die Forscher eng zusammengerollte Birkenrinde mit einem Hügel aus Glut und Asche. Dabei entstanden pro Kilogramm Birkenrinde immerhin 10 Gramm Birkenpech, die von der Rinde abgeschabt werden konnten. Die einzige Herausforderung bestehe laut den Forschern darin, die Rinde von Sauerstoff und extrem hohen Temperaturen fernzuhalten. (red, 4.9.2017)