Foto: Gerhard Berger

Klangspuren Schwaz: Die Tradition des Fragens

5. September 2017, 08:00

Das Tiroler Festival für neue Musik ist heuer weiblich und führt von der Komposition in die weiten Räume spartenübergreifender Experimentierfreude

Schwaz – Any questions? heißt die Performance, zu der Chris Mann ins Innsbrucker Treibhaus lädt (9. 9.). Der "kompositionelle Linguist" (Selbstbeschreibung) packt seine Textcollagen in polymetrische Klänge. Und das diesjährige Motto der Klangspuren hat seinen Titel laut eigenen Angaben "geklaut" und zu "Noch Fragen? Any questions?" erweitert, "etwas hinterlistig", wie der künstlerische Leiter Matthias Osterwold im Programmvorwort meint.

Es ist bereits die 24. Ausgabe des Tiroler Festivals für neue Musik, das in und um Schwaz längst zu einer festen Institution geworden ist. Selbstverständlich gibt es auch heuer wieder etliche neue Werke kennenzulernen. Ebenso selbstverständlich wird das Klangspuren-Café als Ort der Begegnung wiederbelebt, das Tiroler Symphonieorchester Innsbruck das Eröffnungskonzert am 7. 9. bestreiten, gibt es wieder die Internationale Ensemble Modern Akademie für junge MusikerInnen, eine Ausstellung sowie die legen däre Pilgerwanderung mit einem Dutzend Konzertstationen; Jakobswegforscher Peter Lindenthal führt das teilnehmende Publikum über rund 25 Kilometer "sanft abwärts" (17. 9.).

Interpretinnen vor!

Doch geht es – laut Osterwold – immer auch darum, "etwas Selbstverständliches zu tun, was noch nicht selbstverständlich ist". Und so stellt das Festival in diesem Jahr Komponistinnen ins Zentrum, um die "Koordinaten der Geschlechterverteilung zugunsten des musikalischen Schaffens von Frauen" zu verschieben. Das beginnt bei "Composer in Residence" Sofia Gubaidu lina und setzt sich in sämtlichen Programmen fort, in denen es zu vielversprechenden Begegnungen auch mit weit weniger bekannten Kolleginnen der 85-Jährigen kommen wird. Auf Interpretinnen wurde ebenfalls Augenmerk gelegt, wobei beim Durchlesen des Programms nirgends der Eindruck entsteht, als hätte da jemand eine Quote erfüllen wollen, sondern die Qualität des Gebotenen für sich spricht.

So gibt es allein fünf Klavierabende, in deren Mittelpunkt eine Gesamtaufführung der sechs Klaviersonaten von Galina Ustwolskaja mit der Pianistin Sabine Liebner steht. Und der Bogen schließt sich mit einem Auftritt der Performerin Laurie Anderson (24. 9.) sowie dem Schlusskonzert, das die amerikanische Malerin, Licht-, Performance- und Installationskünstlerin Marian Zazeela mit ihrem Setting of Dream Light beschließend wird. (Daniel Ender, 4.9.2017)