Foto: ap/karmann

Pro & Kontra: Dirndl in der Stadt tragen

13. September 2017, 07:00

Dirndl als freihändige, geradezu globale Couture-Interpretationen oder Glitzerfetzen mit Schürze

Dirndl in der Stadt oder auch Dirndl im Wasser – wie hier zum Auftakt Dirndl-Flug-WM.
foto: ap/karmann

Pro
von Margarete Affenzeller

Sie denken jetzt sicher: Wie soll das gehen, Dirndl in der Großstadt?! Das Dirndl gehört doch auf die Almen und auf den Marktstand auf dem Dorf, wo die gesunden, autochthonen Birnen und Kasquargel feilgeboten werden. Dorthin also, wo sich Touristen das alpin geprägte Österreich-Bild abholen, das ihnen im Prospekt versprochen worden ist.

Doch ein jeder weiß, dass Dirndlgewänder, die heute im Umlauf sind, de facto nichts mehr mit einer Tracht und ihrer regionalen Bindung zu tun haben. Das ist völlig entkoppelt! Dirndl stellen heute freihändige, geradezu globale Couture-Interpretationen dar. Und selbst wenn sich ein steirisches Festtagsdirndl oder ein Stubaier Miederdirndl nach Wien verirren würde, wer erkennt es denn schon?!

Alle Farben und Stoffe, Borten und Prints werden wild gemischt, besonders beliebt ist das schweinchenrosa Exemplar. Lustig! Außerdem, jetzt sollen einmal die Landbewohnerinnen nicht so tun, als würden sie jeden Tag Milchkannen schleppen und sich dann in der Dirndlschürze kräftig abwischen (Dirndl kommt ja eigentlich von Dirn).

Kontra
von Bernadette Redl

Latexdirndl, Tracht für Hunde, "Porzellanservice-Set Wiesn-Zauber 24-teilig" – wer dieser Tage dem Trachtenlook entkommen will, hat keine Chance. Von Favoriten bis Döbling heißt es nun selbst in Wien: Wer was auf sich hält, zwängt sich in Lederhose oder Dirndl.

Der Geschmack spielt dabei freilich eine untergeordnete Rolle. "Glitzerfetzen mit Schürze" nennt meine Mutter das liebevoll, mit Heimatverbundenheit habe das nichts mehr zu tun. Und recht hat sie! Wie soll ein Dirndl made in China auch für Tradition und Handwerk stehen?

Besonders wohl fühlen sich diese schimmernden, massenproduzierten Polyester-Exemplare übrigens an Spätsommerwochenenden in U6-Stationen auf dem Weg zum Neustifter Kirtag oder zur Wiener Wiesn. Hier steht die Tracht vor allem für eines: Saufen. Zumindest vermitteln diesen Eindruck die Träger der volkstümlichen Gewänder.

Dann lieber doch daheim in aller Privatheit der Heimatliebe frönen: zum Beispiel mit – beides aktuell im Angebot, versteht sich – Wiesenbettwäsche und Trachten-Jogginghosen. (RONDO, 8.9.2017)