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Wenn europäische Städte die Libyer Fischfang lehren

6. September 2017, 17:10

Die Nikosia-Initiative verbindet europäische Städte mit libyschen Bürgermeistern. Für die Umsetzung fehlt aber das Geld

Vor Ort helfen – gerade in Wahlkampfzeiten wird das als die beste Lösung für die Flüchtlingskrise genannt. Tatsächlich probieren tut es die Nikosia-Initiative des Europäischen Ausschusses der Regionen. Dabei unterstützen europäische Städte jene in Libyen beim Wiederaufbau.

Antwerpen stellt sein Know-how bei Mülltrennung zur Verfügung, Nikosia hilft bei der öffentlichen Verwaltung, Vila Real in Portugal bei der Gesundheitsversorgung, die spanische Stadt Murcia bei der Wasserversorgung, und Triest erklärt den Fischfang.

Vom Öl zum Fisch

"Vor der Revolution gab es in Libyen nur die Ölwirtschaft, sonst nichts", sagt Benedetta Oddo, eine der Initiatorinnen des Projekts. Die Gewässer seien voller Fische, es gebe aber kein Wissen über professionellen Fischfang oder über die nötige Zulassung für den Verkauf. Deshalb sind einige Bürgermeister aus Libyen nach Triest gereist, neben Informationsveranstaltungen haben sie auch den Fischmarkt besucht. "Ihnen standen die Münder offen, als sie die Preise für Calamari erfahren haben. Es gibt in Libyen so viele, dass sie sie als Köder verwenden und gar nicht verkaufen", erzählt Oddo, die auch UN-Koordinatorin für Entwicklungsprojekte in Ägypten, dem Libanon, den Palästinensergebieten, Syrien, dem Irak und zuletzt Libyen war.

Die Neos haben Oddo nach Wien eingeladen, um mehr über die Nikosia-Initiative zu erfahren, die im Juli 2015 gegründet wurde. An dem Projekt nehmen sieben libysche Städte teil, darunter Tripolis und Benghazi.

Investorensuche für Projekt

Zu mehr als Besuchen und Workshops in Europa sowie der Entwicklung von Plänen ist es bisher aber noch nicht gekommen. Für die Umsetzung fehle das Geld, berichtet Oddo. Man suche Investoren.

So kosten etwa Kompostiereinheiten, die Tripolis braucht, um das Antwerpener Müllsystem einzuführen, 70.000 Euro. Die libysche Stadt selbst hat kein Budget, die EU fördert Projekte mit solch geringen Summen nicht.

Neos-Obmann Matthias Strolz will nun 15 österreichische Orte finden, die Städte in Libyen unterstützen sollen. "Wir wollen nicht nur über Probleme reden, sondern Lösungen finden", sagt er. Insgesamt schweben ihm 1.000 europäische Partnerstädte für Nordafrika vor. (koli, 6.9.2017)