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Nordkorea und Notenbanken als Treibstoff für Gold

9. September 2017, 12:00

Vordergründig ist es das Säbelrasseln von Nordkorea, das Gold zur Kursrakete macht. Experte Mark Valek sieht auch wirtschaftliche Gründe

Wien – Die geopolitischen Spannungen infolge der nordkoreanischen Raketen- und Atombombentests haben dem Goldpreis zuletzt zu einem Höhenflug verholfen. "Das Säbelrasseln von Nordkorea hat Gold auf das höchste Niveau der vergangenen zwölf Monate getrieben", sagt Stratege Martin Arnold vom Fondsanbieter ETF Securities, "wodurch die Verluste seit dem Amtsantritt von Donald Trump als US-Präsident wieder wettgemacht wurden." Seiner Ansicht nach würde die Unsicherheit in Bezug auf die Absichten des Landes das Edelmetall kurzfristig weiter unterstützen, wodurch die verbesserten globalen Wirtschaftsaussichten in den Hintergrund treten würden.

In diesem Punkt widerspricht Analyst und Fondsmanager Mark Valek vom liechtensteinischen Vermögensverwalter Incrementum – denn er sieht die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen in den USA kritisch. In der anfänglichen "Trump-Euphorie" sei die Erwartungshaltung zu hoch gehängt worden und habe sich nun ins Gegenteil umgekehrt. Das färbt aus seiner Sicht auch auf den US-Dollar ab, der entgegen früherer Erwartungen Schwäche zeige. "Trump wird immer weniger zugetraut", fasst Valek zusammen.

Generelle Dollarschwäche

Im bisherigen Jahresverlauf hat Gold rund 17 Prozent auf etwas mehr als 1.353 Dollar zugelegt, in Euro beträgt der Zugewinn aber nur vier Prozent. Valek legt dies als generelle Dollarschwäche aus – nicht nur gegenüber Gold und Euro, sondern auch gegenüber anderen Währungen. Die Ursache aus seiner Sicht: "Die Normalisierung der Geldpolitik ist in den USA ins Stocken geraten." Statt der erwarteten drei bis vier Erhöhungen habe die US-Notenbank Fed heuer nur zweimal an der Zinsschraube gedreht, was die Erwartungshaltung des Marktes nach hinten verschoben habe.

"Den Lackmustest für das große Experiment sehen wir erst jetzt: Gelingt die Normalisierung?", fragt der Experte mit Blick auf die ultralockere Geldpolitik der Fed in den vergangenen Jahren. Einerseits sei man bei den Zinsen von einer Normalisierung noch "meilenweit entfernt": Üblicherweise seien dies drei bis vier Prozent am kurzen Ende, also für kurzfristige Ausleihungen. Derzeit werfen aber selbst die höher verzinsten zehnjährigen US-Schuldverschreibungen bloß etwas mehr als zwei Prozent ab. Der US-Leitzins beträgt ein bis 1,25 Prozent.

Aufgeblähte Fed-Bilanz

Als herausfordernd stuft Valek auch den Abbau der durch das inzwischen ausgelaufene Anleihenkaufprogramm der Fed (Quantitative Easing, QE) aufgeblähten Notenbankbilanz ein. Diese belaufe sich seit 2014 relativ konstant auf rund 4,4 Billionen Dollar – getilgte Anleihen seien bisher also stets in andere US-Schuldpapiere reinvestiert worden. Diese Bilanzsumme sei "Lichtjahre" von einem Schrumpfen auf normales Niveau entfernt. "Das sollte noch vor der nächsten Rezession passieren", sagt Valek und verweist darauf, dass sich der derzeitige Aufschwung im neunten Jahr befinde und damit im historischen Vergleich bereits sehr alt sei.

"Gold ist stark, weil wir den erwarteten Normalisierungspfad verlassen haben", fasst der Analyst zusammen und hebt hervor, dass der Preis des Edelmetalls langfristig vor allem von den US-Realzinsen, also inflationsbereinigter Verzinsung, bestimmt werde. Aus Sicht der Charttechnik, also der Analyse des Kursverlaufs, sei es aus seiner Sicht wichtig, das Niveau von 1375 Dollar, dem Höchststand des Vorjahres, nachhaltig zu übertreffen. "Dann wäre Gold endgültig wieder aus seinem Dornröschenschlaf wachgeküsst", sagt Valek und nennt 1600 Dollar als nächstes Etappenziel. (Alexander Hahn, 9.9.2017)