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Prozess: Oliver Marach gewinnt sein längstes Match

12. September 2017, 09:04

Fünf Jahre sind vergangen, seit sich der Österreicher in Hamburg an einer Metallverankerung schwer verletzte

Wien – Oliver Marach beschreibt es selbst als Wechselbad der Gefühle. "Einerseits freue ich mich, andererseits bin ich traurig." Nach einem starken Sommer, der im Wimbledon-Finale gipfelte, war für Österreichs besten Doppelspieler bei den US Open im Mixed erst im Halbfinale Endstation. Ein Pyrrhussieg. Die Patellasehne im Knie zwickt, wegen einer Sehnenscheidenentzündung im Handgelenk musste Marach für das Daviscupduell mit Rumänien (15. bis 17. September in Wels) absagen.

Hoher Schadenersatz

Sein wichtigstes Match hat der 37-jährige Steirer in diesem Jahr aber schon an einem anderen Schauplatz gewonnen. Das hanseatische Oberlandesgericht in Hamburg sprach Marach in einem Prozess gegen den Veranstalter des ATP-Turniers am Hamburger Rothenbaum, die Hamburg Sport und Entertainment GmbH (HSE), den deutschen Tennisbund (DTB) und den Grundstückseigentümer Club an der Alster, eine sechsstellige Schadenersatzsumme zu. Der genaue Betrag soll in den nächsten zwei Monaten feststehen.

Marach war am 12. Juli 2012 auf einem Außenplatz in eine Metallverankerung für eine Traglufthalle gerutscht und hatte sich dabei einen Riss des Syndesmosebandes, Einrisse der Außenbänder und eine Knochenabsplitterung im Knöchel zugezogen. Es folgte eine sechsmonatige Verletzungspause, für die Marach vom Veranstalter und dessen Versicherung eine Entschädigung für seinen Verdienstentgang forderte. Eine Einigung kam nicht zustande, Marach klagte, es folgte eine Auseinandersetzung, die sich nun bereits über fünf Jahre zieht.

Karrieretief

"Das verfolgt mich schon eine sehr lange Zeit. Bis heute habe ich keinen Cent bekommen", sagt Marach zum STANDARD. Nun gibt es einen Schuldspruch in letzter Instanz. Hamburgs Turnierdirektor Michael Stich, einst ein deutscher Weltklassespieler, sagte, dass es ihm sehr leid tue, dass "sich Oliver hier bei uns verletzt hat. Das war ein wahnsinniges Pech." Für Marach war es mehr. Vor der Verletzung erspielte er bis zu 300.000 Dollar pro Jahr. "Ich habe von 2008 bis zur Verletzung das Dreifache verdient als danach. Die Ereignisse von Hamburg haben meine Karriere stark beeinträchtigt."

Marach wurde von den drei beklagten Parteien der Vorwurf gemacht, er hätte die Metallverankerung sehen müssen. "Es ist nicht die Aufgabe des Spielers, festzustellen, ob der Platz sicher ist", sagt Marachs Vater Hans Karl, der im Gerichtsverfahren verstärkt involviert ist, damit sich sein Sohn mehr aufs Tennis konzentrieren kann. Die beklagten Parteien "wollten Oliver mit kleinen Summen abspeisen und sich abputzen".

Die Vorwürfe

Was ihn erzürnte, waren laut Marach senior falsche Behauptungen der Anwälte von HSE und DTB vor Gericht, unter anderen bezüglich des Rankingverlustes und der Preisgelder seines Sohnes. "Die richtigen Zahlen kann jeder Laie auf der ATP-Seite im Internet nachschauen. Die wurden dem Richter von uns auch vorgelegt." Dann sei man mit dem Argument gekommen, dass Oliver Marach zu alt für das Doppel sei. "Daraufhin haben wir ihnen eine Liste geschickt, wer von den Top 30 unter 30 ist, weil da gibt es nicht viele." Eine weitere Klage gegen die HSE und den DTB wegen Prozessbetrugs wurde bei der Staatsanwaltschaft Hamburg eingebracht.

Mittlerweile hat es Marach wieder in die Weltspitze des Doppels zurückgeschafft. An der Seite des Kroaten Mate Pavic will er auf der Asien-Tour weiter Punkte sammeln, um sich zum dritten Mal nach 2009 und 2010 für die World Tour Finals zu qualifizieren. Eine schwierige Aufgabe. Marach bekam nach den US Open eine Spritze ins Handgelenk, muss zumindest zwei Wochen pausieren. Der 16-fache Doppelturniersieger liegt derzeit auf Rang 19 im Ranking, im Race mit Pavic hält er bei Platz zehn. Die besten acht qualifizieren sich für London.

Die Rolle der ATP

Und die Rolle der Spielervereinigung ist fragwürdig? Die ATP hat den Veranstaltern in Hamburg den US-Versicherungskonzern Chubb empfohlen, der bislang keine Zahlungen leistete. Hans Karl Marach: "Die ATP hat Verpflichtungen gegenüber den Veranstaltern, aber auch gegenüber den Spielern. In dieser Auseinandersetzung hat sich die ATP zurückgehalten, sich für Oliver nicht starkgemacht."

Turnierdirektor Stich wollte auf Anfrage des STANDARD weder zum Prozess noch zum Urteil Stellung nehmen. (Florian Vetter, 12.9.2017)