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Erhöhtes Sicherheitsbedürfnis treibt Urlauber in die Reisebüros

7. September 2017, 14:08

Geschäft des Tourismuskonzerns Verkehrsbüro floriert: Die Sommerumsätze sind 2017 um zwölf Prozent gestiegen, Vorausbuchungen für Winter 2017/18 mit gut 19 Prozent im Plus

Wien/Saint Paul (Minnesota) – Terroranschläge und Naturkatastrophen treiben das Geschäft mit Pauschalreisen an – die Urlauber sorgen zunehmend für den Ernstfall vor und sichern sich bei ihrer Buchung auch gleich die Betreuung durch den Reiseveranstalter. Die Umsätze in den Reisebüros steigen. "Wir haben eine der besten Saisonen in der Geschichte der Ruefa hinter uns", sagte Verkehrsbüro-Vorstand Helga Freund heute, Donnerstag.

Die aktuell beherrschenden Themen sind die Hurrikan-Serie in Mittelamerika, der Niedergang der Fluggesellschaft Air Berlin und das Bangen um das Schicksal der Österreich-Tochter Niki. "Wir sind ständig mit den Kunden und Behörden in Kontakt – zum Beispiel um abzuklären, ob Rundreisen stattfinden oder nicht", berichtete die Vorstandsdirektorin des größten österreichischen Tourismuskonzerns Verkehrsbüro-Group, zu dem unter anderem über 100 Ruefa-Reisebüros, die Austria Trend Hotels und der Direktvermarkter Eurotours (Hofer Reisen) gehören, vor Journalisten in Wien. Ruefa und Eurotours haben derzeit rund 400 Kunden, die bereits in der Karibik sind bzw. dorthin wollen. "Stornos und Rückholaktionen hatten wir bis jetzt noch nicht."

Fokus auf Kuba

Das Reiseangebot in der Karibik hat Ruefa "mit einem Fokus auf Kuba verstärkt", wie der Geschäftsführer der Verkehrsbüro-Ruefa Reisen GmbH, Walter Krahl, bemerkte. "Auch wenn es jetzt unpassend erscheint." Im Moment fürchtet sich die gesamte Region vor dem herannahenden Hurrikan "Irma", der bereits einige Todesopfer auf den französischen Karibikinseln Saint-Martin und Saint-Barthelemy gefordert hat und dieser Tage via Kuba Kurs auf Florida nimmt. Der Wirbelsturm "Irma" fällt Meteorologen zufolge noch stärker und damit desaströser aus als sein Vorgänger "Harvey", der Ende August verheerende Schäden und Flutkatastrophen am Golf von Mexiko (im Speziellen in Texas) hinterließ.

Bei der Lufthansa-Tochter Eurowings ist der Betriebsablauf in den kommenden Tagen wegen der Extremwetterlage jedenfalls gestört, wie heute, Mittwoch, bekanntgegeben wurde: Kunden, die im Zeitraum 6. bis 11. September die Flugziele Havanna und Varadero in Kuba sowie Punta Cana und Puerto Plata in der Dominikanischen Republik sowie die US-Städte Miami oder Orlando gebucht haben, könnten kostenlos auf Flüge im Zeitraum 12. September bis 12. Oktober umbuchen. Pauschalreisende sollen sich an ihren Reiseveranstalter wenden.

Mit Pauschaulreise auf Nummer sicher

Extremereignisse verursachen nicht nur viel Leid in den betroffenen Gebieten, sondern sorgen auch wegen des dadurch ausgelösten erhöhten Sicherheitsbewusstseins der Touristen für volle Kassen bei den Pauschalreiseanbietern. Bei Ruefa lag der Buchungsumsatz heuer im Sommer um zwölf Prozent über dem Vorjahreswert. "Die Vorausbuchungen für den Winter liegen derzeit sogar um 19,3 Prozent über dem letzten Winter – vor allem die Malediven sind sehr gefragt", berichtete Krahl.

Um sich einen Platz in der gewünschten Destination zu sichern, sind die Österreicher laut Freund auch zunehmend zu Frühbuchern geworden. Die Engländer und Deutschen seien das immer schon gewesen. Doch im vergangenen Jahr hätten auch die Österreicher bereits im November ihren Sommerurlaub gebucht. "Im Februar hatten wir bereits einen guten Teil der Sommerbuchungen herinnen und auch für den Winter liegen wir jetzt gegenüber dem Vorjahr deutlich vorne", so die Vorstandsdirektorin.

Im Sommer 2017 bei den Ruefa-Pauschalreisenden am beliebtesten waren Griechenland (mit einem Umsatzanteil von 19,6 Prozent) und Spanien (16,2 Prozent). Die Türkei-Nachfrage hingegen brach noch einmal um fast 37 Prozent gegenüber dem Vorjahr ein. Dorthin reisen jetzt verstärkt Urlauber aus anderen Ländern: "Die Russen haben die Tür für die Türkei als Urlaubsdestination wieder aufgemacht und auch die ehemaligen Ost-Länder Tschechien und Polen haben ein Plus in Richtung Türkei", sagt Krahl. "Die Nationalitäten haben sich ein bisschen verschoben." (APA, 7.9.2017)