Foto: Ben Doro Dad

Get Active: Die Finalisten des Social Business Award

10. September 2017, 09:46

Zehn Finalisten des Get-Active-Preises konnten im Südburgenland ihre Projektideen vertiefen, schärfen und ausbauen

Was haben ein gelernter Automatisierungstechniker, eine ausgebildete Physiotherapeutin, die ehemalige Geschäftsführerin der Julius-Raab-Stiftung, zwei Teach-For-Austria-Fellows und einige andere Menschen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen aus sieben verschiedenen Bundesländern gemeinsam? Sie alle engagieren sich im Feld der sozialen Innovation und wollen mit ihrer Idee die Welt ein Stück besser machen – und dabei als Business bestehen.

88.000 Euro winken

Und: Sie alle stehen im Finale des Get Active Social Business Award: 88.000 Euro Anschubfinanzierung gibt es hier heuer für das Siegerprojekt zu holen, in Form von Geld- und Sachleistungen wie einem profunden Expertencoaching für eine weitere erfolgreiche Umsetzung des Projekts. Bereits zum elften Mal haben die Sponsoren und Gründer der Initiative – Coca-Cola, der STANDARD und das NPO- und SE-Kompetenzzentrum der Wirtschaftsuniversität Wien – zum Einreichen von Ideen aufgerufen.

Viel Programm, ...

Das Schöne am intensiven Zusammenkommen im Südburgenland war auch dieses Jahr der Austausch und die Vernetzung untereinander. Neben theoretischem Input – vor allem zum Thema Businessplan durch den NPO-Experten Christian Horak (Contrast EY) – konnten sich die Finalisten aber auch individuell beraten lassen. Hierfür waren vom Country-Manager für Österreich bis zum Marketingchef viele Experten von Coca-Cola da, aber auch erfolgreiche Unternehmer, Start-up-Experten und – auch das ist Tradition – der ehemalige Goalie der österreichischen Nationalmannschaft, Helge Payer. Abgerundet wurde das Programm mit inspirierenden Vorträgen.

... Und Prominenz

Zum Beispiel vom deutschen Politiker und Sportfunktionär Willi Lemke, der Sonderberater für Sport im Dienste von Frieden und Entwicklung vom damaligen UN-Generalsekretär Ban Ki-moon war. Von Nordkorea bis in die Slums von Nairobi reichten seine Anekdoten, wie und was Sport in der Welt bewegen und verändern kann. Wer anderen gegenüber immer den nötigen Respekt zeige – ob im Sport oder in einem Unternehmen -, der könne am Ende auch etwas auf den Weg bringen, gab der 71-Jährige den Zuhörern mit.

Am 3. November wählen Experten des Advisory-Boards die oder den Gewinner.

Die Finalisten im Rennen um den Sieg sind:

· Café Namsa (Michaela Wohlfahrt): Geflüchtete werden beschäftigt und weitergebildet, damit sie die Lücke in Tirols Gastronomie füllen können. Gäste bekommen sowohl den klassischen Verlängerten als auch Getränke und kleine Speisen aus den Heimatländern der Mitarbeiter.

· Caramel (Karin Melcher): Auch hier geht es um die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten, vor allem jene, die keine guten Sprachkenntnisse haben: In Teams sollen sie gemeinsam mit Studenten ausrücken, um Autos zu säubern. Außen und innen, CO2-neutral und ohne Wasser.

· Discovering Hands (Marisa Mühlböck): Der überlegene Tastsinn blinder und hochgradig sehbehinderter Frauen soll in diesem Projekt zur Verbesserung der Tastdiagnostik im Rahmen der Brustkrebsfrüherkennung eingesetzt werden. Entwickelt wurde das Konzept von einem deutschen Gynäkologen, nun soll es bald in Österreich starten.

· Firefly Club (Christoph Sackl): Nach 13 Jahren in London, wo inklusive Discos sich großer Beliebtheit erfreuen, will Initiator Christoph Sackl auch in Österreich Menschen mit Behinderung in den Eventbereich bringen. DJs mit intellektueller Beeinträchtigung legen bereits auf, nun soll das Ganze weiter ausgebaut werden.

· Holidays on Wheels (Agnes Fojan): Urlaub kann für behinderte Menschen schnell zur Herausforderung werden, wenn es um das Einholen von Infos geht. Holidays on Wheels will die Suche für barrierefreien Urlaub vereinfachen und bietet in einer App alle Infos. An einer Ausweitung des Produkts wird außerdem gearbeitet.

· Nut & Feder (Christian Penz): Geflüchteten Menschen durch Handwerk eine Perspektive am österreichischen Arbeitsmarkt zu bieten ist das Ziel dieses Projekts. Architekten nutzen das Angebot als Anlaufstelle für Produktionsmöglichkeiten, Flüchtlinge setzen die Ideen (meist Möbel) um und können sich weiterbilden.

· Open Piano For Refugees (Nico Schwendinger): Musik als integratives Element. Ein Klavier steht mehrere Tage im öffentlichen Raum – jeder kann in die Tasten hauen. Durch die dort eingenommenen Spenden möchten die Initiatoren eine Musikschule gründen, die nach dem "Pay as you wish"-Prinzip vor allem Einkommensschwächeren den Musikunterricht (teilweise durch Geflüchtete) ermöglichen soll.

· More Than One Perspective (Nina Poxleitner): Hier werden Geflüchtete zu Experten, nämlich in Firmen, die nach speziellen Lösungen und Produkten für die Zielgruppe Migranten suchen. Eine erfolgreiche Kooperation gab es bereits in der Versicherungsbranche.

· Refugee Business Matrix (Michaela Faulhammer): Zielgruppe sind Geflüchtete mit Unternehmerhintergrund im Heimatland. Das Projekt will in einer Business-School die erforderlichen unternehmerischen Kompetenzen vermitteln und ein Netzwerk schaffen.

· Sindbad (Andreas Lechner): 14-Jährige Neue Mittelschüler werden von 20- bis 30-jährigen Mentorinnen und Mentoren über 18 Monate begleitet, um den Übergang von der Unterstufe in die 9. Schulstufe, den Lehrberuf oder in eine weiterführende Schule zu schaffen. Großes Ziel: weniger Schulabbrecher und Jugendarbeitslosigkeit. (lhag, 10.9.2017)