"Das kommunistische Manifest": Ein Gespenst in Europa

19. September 2017, 10:34

Katharina Thalbach liest

Es war der 21. Februar 1848. 46, Liverpool Street, Bishopsgate, ein nordöstlich von Londons Zentrum gelegenes Grätzel. Dort wurden an jenem Tag aus den Druckmaschinen die ersten Exemplare einer Schrift gezogen, die in der Hauptstadt des Empire eine deutsche Gesellschaft produzierte, die "Bildungs-Gesellschaft für Arbeiter" von J. E. Burghard.

Kaum ein anderes Druckerzeugnis hatte größere Folgen für die nächsten 150 Jahre als dieses – Das kommunistische Manifest von Karl Marx, dessen Geburtstag sich am 5. Mai 2018 zum 200. Mal jähren wird, und Friedrich Engels. Scharfsinniges und Klarsichtiges stehen gleich neben stark Überholtem, Analyse neben holzschnittartig sich selbst bestätigenden Thesen, Eloquentes folgt auf Sektiererisches, Kritik auf Pathos, Prophetie auf falsche Hoffnungen.

Katharina Thalbach als Rezitatorin ist jedoch keine allzu glückliche Wahl des Verlags. Ihre leicht fleckige Stimme und ihre wenig überzeugende Intonation mögen gut zu E.T.A. Hoffmann, zu Mascha Kaléko oder Heinrich Heine passen, nicht jedoch zu Marx und Engels. (Alexander Kluy, Album, 19.9.2017)

Karl Marx und Friedrich Engels, "Das kommunistische Manifest". € 14,30 / 88 Min. Goya Lit, Hamburg 2017