Foto: SDO / Goddard / NASA

ISS-Besatzung bringt sich vor Sonneneruption in Sicherheit

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12. September 2017, 09:26

Astronauten sollen wegen erhöhter Solaraktivität weniger geschützte Bereiche der Station meiden

Die Aufnahme des Solar Dynamics Observatory (SDO) der Nasa zeigt einen X-8.2-Flare am 10. September.
foto: sdo / goddard / nasa

Moskau – Das Weltraumwetter bleibt unruhig und könnte nun auch die Besatzung der Internationalen Raumstation ISS gefährden. Nachdem es bereits in der vergangenen Woche zu mehreren großen Sonneneruption gekommen war – darunter auch die mächtigste seit 12 Jahren – sind die Astronauten im Erdorbit nun gezwungen, sich nach einem neuerlichen Ausbruch vor möglichen Strahlungsschäden in Sicherheit zu bringen.

Die drei Raumfahrer hätten von ihren jeweiligen Bodenstationen am Sonntag die Anweisung bekommen, bestimmte weniger geschützte Bereiche der ISS vorübergehend zu meiden, teilte die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos am Montagabend in Moskau mit.

Derzeit arbeiten auf dem Außenposten der Menschheit rund 400 Kilometer über der Erde der Russe Sergej Rjasanski, der US-Amerikaner Randolph Bresnik und der Italiener Paolo Nespoli. Anlass für die Warnung war Berichten zufolge anhaltende erhöhte Sonnenaktivität.

Solareruption der Kategorie X8.2

Laut der US-Raumfahrtbehörde Nasa und dem Space Weather Prediction Center (SWPC) der US-Klimabehörde NOAA ist es am Sonntag um 18:06 MESZ zu einem großen solaren Flare der Kategorie X8.2 gekommen. Der mittlerweile siebente Ausbruch seit dem 4. September entstammt der aktiven Region AR 2673 und war nur wenig schwächer als die Eruption vom vergangenen Mittwoch, die eine Stärke von X9.3 erreicht hatte.

Video: Sonneneruption der Kategorie X8.2.
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Wie die meisten derartigen Ausbrüche war auch der jüngste von einem koronalen Massenauswurf (CME) begleitet, einer riesigen Wolke aus heißem Plasma. Obwohl AR 2673 nicht mehr direkt Richtung Erde weist, könnten die hochenergetischen Protonen laut Spaceweather.com auf unseren Planeten am 13. September zu geomagnetischen Stürmen der Klass G2 führen. Das bedeutet potenzielle kurzzeitige Ausfälle von Navigationssystemen und eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für Polarlichter. Die aktuelle Aktivitätsphase der Sonne kommt etwas überraschend, denn eigentlich befindet sich unser Zentralgestirn in ihrem 11-jährigen Zyklus derzeit auf dem Weg zu ihrem Minimum.

Gefährlicher als Rekorderuption

Auch am Sonntagabend war die Erde und damit auch die ISS hoher Protonen-Aktivität und Strahlung ausgesetzt. Die Werte waren nach Einschätzung russischer Experten gefährlicher als nach der Rekord-Sonneneruption vom 6. September. "Ein gewaltiger Protonenstrom könnte die Hülle der ISS durchdringen", sagte der Atomphysiker Michail Panasjuk der Agentur Ria Nowosti.

Panasjuk rief dazu auf, den kommenden bemannten Raketenstart zu überdenken. In der Nacht zum Mittwoch sollen zwei Amerikaner und ein Russe mit einer Sojus-Rakete als Verstärkung zur ISS fliegen. Roskosmos teilte mit, die Besatzung sowie die Arbeit auf der ISS seien nicht gestört worden. "Die Konstruktion der ISS bietet ausreichend Schutz der Mannschaft vor erhöhter Sonnenaktivität", hieß es. Von einer Verschiebung des Raketenstarts war zunächst keine Rede. (red, APA, 12.9.2017)