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Berichterstattung über den Wahlkampf: Runter von der Metaebene!

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14. September 2017, 15:29

Die Berichterstattung über den Wahlkampf ist manchmal lustig, aber nur selten hilfreich

Nicht nur die Politik, auch die Medien befinden sich während des Wahlkampfs im Ausnahmezustand. Schließlich ist die Nachfrage nach politischer Berichterstattung selten so groß. Und das zu Recht: Wer wählen will, braucht ein Minimum an Information über die Bewerber, um eine sinnvolle Entscheidung treffen zu können.

Umso enttäuschender fällt ein Blick auf die Themen aus, die bisher die Berichterstattung dominieren: Da wären zum Beispiel die unsägliche Geschichte über die Jetzt-doch-nicht-Mauer auf dem Ballhausplatz, die mehrteilige Saga um Ex-SPÖ-Berater Tal Silberstein oder wechselseitige Vorwürfe von Dirty Campaigning und intransparenter Wahlkampffinanzierung. Hinzu kommen Storys über Plakate, die Zielgruppen der Parteien oder die neuesten Umfragewerte. Ganz zu schweigen von der intensiven Beschäftigung mit Brillen und Slim-Fit-Anzügen.

Natürlich gibt es auch Gegenbeispiele – Berichte, die sich ernsthaft mit relevanten sachpolitischen Vorschlägen der Parteien auseinandersetzen. Dennoch gewinnt man den Eindruck, dass ein großer Teil der Wahlkampfberichterstattung nicht den eigentlichen Themen der Wahlauseinandersetzung gewidmet ist, sondern den Wahlkampf selbst zum Thema macht. Nicht die Inhalte, die die Parteien in ihren Kampagnen präsentieren, stehen im Zentrum, sondern die Kampagnen selbst. Berichterstattung auf der Metaebene also.

Für den Wahlkampf 2013 lässt sich das auch mit Daten aus der Autnes-Medienanalyse belegen. Die Grafik unten zeigt aufgeschlüsselt nach Medien, welcher Anteil der politischen Berichterstattung in den sechs Wochen vor der Wahl auf die Parteikampagnen und den Wahlkampf selbst entfiel.

Summa summarum bewegte sich 2013 ein gutes Drittel der Berichterstattung auf der Metaebene, wobei die Kategorisierung hier großzügig ist: Koalitionsspekulationen und Society-Berichte etwa sind nicht enthalten – ansonsten läge der Anteil insgesamt deutlich über 40 Prozent. Engt man die Auswertung nur auf Berichte ein, die in Printmedien auf Seite 1 erscheinen, dann steigt der Wahlkampf-Anteil ebenfalls auf über 40 Prozent.

Die Unterschiede zwischen den einzelnen Medien passen dabei nicht wirklich ins Schema Qualitäts- versus Boulevardmedien. Die drei größten Boulevardzeitungen liegen sowohl am oberen ("Österreich", "Heute") als auch am unteren Ende ("Kronen Zeitung") der Verteilung.

Natürlich liefert diese Darstellung kein universell gültiges Qualitätsmaß. Man kann auch über den Wahlkampf auf höherem oder niedrigerem Niveau berichten. Nichtsdestotrotz liegt ein großer Teil des medialen Interesses nicht auf dem, worum es in einer Wahlauseinandersetzung im Kern geht: dem programmatischen Wettbewerb zwischen den Parteien.

Gewiss, dieser Fokus ist nicht die alleinige Schuld der Medien. Zum einen will auch das Publikum gerne mit Berichten über Plakate und Slogans unterhalten werden, zum anderen haben die Parteien oft anderes im Sinn, als über ihre Programme zu sprechen.

Wenn wir den Informationsgehalt der Wahlkampfauseinandersetzung maximieren wollen, muss es dennoch heißen: runter von der Metaebene! (Laurenz Ennser-Jedenastik, 14.9.2017)

Laurenz Ennser-Jedenastik ist Politikwissenschafter am Institut für Staatswissenschaft der Universität Wien.