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Brasilien: Magierkurse im Schloss für Harry-Potter-Fans

12. September 2017, 15:48

Zauberhut statt Zuckerhut

Brasilia – In einem Schloss in Brasilien versucht ein Zauberer, einen knurrenden Werwolf zu beruhigen. Nicht weit davon jagen Leute auf Besenstielen Bällen hinterher – willkommen in der "Magic and Witchcraft School" in Campos do Jordao etwa 200 Kilometer von Sao Paulo, einer Zauberschule im Stile von Harry Potters Hogwarts.

Die Idee zur Gründung einer Zauberschule hatte die 27-jährige Vanessa Godoy. Zwar sei das Kursangebot inspiriert von den Harry Potter-Büchern und -Filmen von J.K. Rowling, doch habe es darüber hinaus einen brasilianischen Touch, betont Gody: Seit den Anfängen 2015 "war die Idee, die Stimmung von Hogwarts zu adaptieren, aber nicht exakt zu kopieren".

Tänze, Wettbewerbe, Quidditch-Turniere

Alle Schüler der viertägigen Kurse sind Harry-Potter-Fans, doch da Godoy und ihre Zaubererkollegen Urheberrechte beachten müssen, zaubern sie etwas brasilianische Folkore hinein: "Wir haben unsere eigenen Geschichten. Wir tauchen in die Mythologie ein, weil Brasilien ein sehr magisches Land ist."

Unterrichtet werden die angehenden Magier in "Zaubertränke und Elixiere" oder "Hexerei und Geschichte der Zauberei". Natürlich gibt es Tänze, Wettbewerbe und ein Quidditch-Turnier – das temporeiche Spiel wird in Rowlings Romanen auf fliegenden Besenstielen gespielt. Hinzu kommen magische Künste, die nur in Brasilien gelehrt werden, wie etwa die Nutzung des Haars einer mystischen Figur zum Schutz der Wälder oder die Aktivierung von Zauberstäben mithilfe der Schuppen von Sirenen-Fabelwesen.

Alles ist real

Der Spaß ist nicht ganz billig: Ein viertägiges Hexerei-Seminar in dem Schloss, das normalerweise als Hotel dient, kostet umgerechnet gut 660 Euro. Die Kunden sind zwischen fünf und 65 Jahre alt, die meisten um die 25, und Schüler oder Richter, Models, Lehrer oder Krankenschwestern.

"Wenn wir ins Schloss hineingehen, ist es, als würde die Welt draußen nicht länger existieren", sagt der 29-jährige Arzt Zerzil Ferreira. "Wir geben die 'Muggle'-Welt auf, tauchen in die magische Welt und es ist alles real." Muggles sind bei Rowling alle Menschen ohne Zauberkräfte.

Die Sache ernst nehmen

Die rund hundert Teilnehmer wohnen in Hogwarts nachempfundenen Häusern namens Tiger, Schlangen, Eichhörnchen und Adler, die bei den verschiedenen Wettbewerben Punkte sammeln und am Ende einen Sieger küren. Am beliebtesten ist dabei Quidditch, bei dessen terrestrischer Version die Besenstiele zwischen die Beine geklemmt werden.

Das Personal der Schule stellen Schauspieler, die rund um die Uhr in ihren Rollen bleiben, so dass sie tatsächlich ein bisschen verzaubert wirken. Doch auch die Schüler nehmen die Sache ernst. "Um hier zu sein, muss man in die Figur eintauchen. Man ist Zauberschüler, muss die Lehrer und Regeln respektieren. Das macht das Ganze realer", sagt der 22-jährige Renie Santos, der den YouTube-Kanal Expresso de Hogwarts gründete.

Ein Zauberseminar befasst sich mit den Fabel-Sirenen, die – wie der Lehrer warnt – geeignet sind, allzu Neugierige mit Haut und Haar zu verschlingen. Im Schwimmbad lernen die Zauberlehrlinge Nyx kennen – und sind hingerissen. Trotz aller Warnungen will ein Schüler mit ihr tanzen, andere mit ihr schwimmen. Verschlungen wird glücklicherweise niemand. (APA, AFP, 12.9.2017)