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Plutos Landschaften erhalten endlich offizielle Namen

18. September 2017, 11:42

Insgesamt 14 Strukturen hat die Internationale Astronomische Union nach mythologischen Wesen, Forschern und berühmten Sonden benannt

Pluto mit seiner typischen herzförmigen Eisebene, die nun offiziell Tombaugh Regio heißt.
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Washington – Ehe Pluto am 14. Juli 2015 von der Nasa-Sonde New Horizons besucht wurde, war der zwischen 30 und 50 Astronomische Einheiten entfernte Zwergplanet kaum mehr als eine winzige nebelhafte Scheibe am inneren Rand des Kuipergürtels. Erst die Annäherung und die Passage von New Horizons enthüllte seine Oberfläche mit unzähligen überraschend dynamischen Merkmalen, darunter Gebirge aus Eis, weite Ebenen und fließende Gletscher.

Nun haben die ersten dieser geologischen Strukturen auf Pluto auch offizielle Bezeichnungen erhalten: Die Internationale Astronomische Union (IAU) hat 14 Kratern, Ebenen und Erhebungen einen Namen gegeben. Als Paten standen dafür unter anderem Götter der Unterwelt, Forscher und historische Raumsonden.

Eine erste Karte von Pluto mit den 14 bisher vergebenen Bezeichnungen von Landschaftsmerkmalen.
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14 Landschaftsmerkmale

Das charakteristische "Herz" des Pluto wurde nach Clyde Tombaugh, dem Entdecker des Zwergplaneten, Tombaugh Regio benannt.

Die große eisige Ebene im Nordwesten des "Herzens" heißt nun Sputnik Planitia. Namenspate ist Sputnik 1, der erste von der Sowjetunion 1957 ins All geschossene Satellit.

Der Burney-Krater westlich der Sputnik Planitia trägt den Namen von Venetia Burney (1918-2009), die als 11-jähriges Schulmädchen "Pluto" als Bezeichnung für den neu entdeckten Himmelskörper (damals noch Planeten) vorgeschlagen hatte.

Tenzing Montes und Hillary Montes sind Höhenzüge im Süden der Sputnik Planitia. Sie wurden nach den Mount-Everest-Erstbezwingern Tenzing Norgay (1914–1986) und Sir Edmund Hillary (1919–2008) benannt.

Mit Al-Idrisi Montes ehrte die IAU Ash-Sharif al-Idrisi (1100–1165/66), einen arabischen Geographen. Der Bergrücken liegt östlich des Burney-Kraters.

Djanggawul Fossae ganz im Westen der sichtbaren Pluto-Hemisphäre bezeichnet ein Netzwerk aus langen schmalen Senken. Für diese Formation standen die Djanggawuls Pate: drei Wesenheiten aus der Mythologie der australischen Ureinwohner.

Sleipnir Fossa ist eine tiefe Schlucht im Osten des "Herzens" und erhielt ihren Namen vom achtbeinigen Pferd des nordischen Gottes Odin.

Virgil Fossae ehrt den römischen Dichter Vergil, der in Dantes "Göttlicher Komödie" durch die Unterwelt und das Fegefeuer führt.

Adlivun Cavus bezeichnet eine tiefe Senke am südlichen Ende der Sputnik Planitia. Der Name stammt von Adlivun, der Unterwelt der Inuit.

Hayabusa Terra heißt eine weiträumige Landmasse nordöstlich des "Herzens". Mit dem Namen wird die japanische Hayabusa-Mission geehrt, die im Jahr 2010 erstmals Material von einem Asteroiden zur Erde gebracht hat.

Voyager Terra, ebenfalls eine große Landmasse, liegt nordwestlich von Hayabusa Terra. Getauft wurde sie nach dem Nasa-Sondenpaar, das an den Rändern unseres Sonnensystem unterwegs ist.

Tartarus Dorsa ist ein Bergrücken östlich der Tombaugh Regio und zugleich die tiefste Grube in der Unterwelt der griechischen Mythologie.

Der Krater Elliot südwestlich der Sputnik Planitia trägt den Namen von James Elliot (1943-2011), einem MIT-Wissenschafter, der erstmals mithilfe von Sternbedeckungen Himmelskörper des Sonnensystems untersuchte. Mit dieser Methode gelang es ihm beispielsweise, die Ringe des Uranus und die dünne Atmosphäre des Pluto zu entdecken.

Nächste Begegnung

Während noch zahlreiche andere Merkmale auf Plutos Oberfläche auf ihre offizielle Benennung warten, ist New Horizons weiter auf ihrem Weg zum Kuipergürtel-Objekt 2014 MU69. Der zwischen 25 und 45 Kilometer große Brocken liegt mehr als eine Milliarde Kilometer weiter weg von der Sonne als Pluto. Am 1. Jänner 2019 soll New Horizons in nur 3.000 Kilometern Abstand an dem Objekt vorüber fliegen. (tberg, 18.9.2017)