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Rauchverbot, Steckdosen und Filztaschen: Rundgang durchs Übergangsparlament

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14. September 2017, 13:05

Architektin Bauer-Hammerschmidt zeigte dem STANDARD den neuen Arbeitsplatz der Abgeordneten

Wien – Der Josefsplatz in der Wiener Innenstadt könnte bald zum Raucherhof für Österreichs Nationalratsabgeordnete werden. Denn hier ist der Eingang zum Großen Redoutensaal der Hofburg, der dem National- und Bundesrat als Übergangsquartier während des Parlamentsumbaus dient.

Während die Abgeordneten im Parlament noch zwei gut frequentierte Raucherkammerl hatten – eines an der linken und eines an der rechten Seite hinter dem Sitzungssaal –, herrscht im Übergangsquartier nun striktes Rauchverbot.

Die Werke des Malers Josef Mikl sorgen für eine lebendige Atmosphäre im Sitzungssaal.
foto: matthias cremer

Die ehemalige Residenz der Habsburger ist sozusagen ein "gebranntes Kind". In der Nacht vom 26. auf den 27. November 1992 wurde der Große Redoutensaal durch einen Großbrand völlig, der Kleine Redoutensaal teilweise zerstört. Schon alleine aufgrund dieser Erfahrung sei man in der Hofburg besonders heikel, was das Rauchen betrifft, erzählt Bettina Bauer-Hammerschmidt. Sie ist die Architektin, die die Gestaltung der "Übergangsparlaments" verantwortet.

Aber nicht nur das Ende der Raucherkammerl wird für die Abgeordneten neu sein, wenn sie am Mittwoch nach der Sommerpause ihre Sitzungen wiederaufnehmen. Dem STANDARD hat Bauer-Hammerschmidt den neuen Arbeitsplatz der Abgeordneten und der Regierung gezeigt.

Spezielles Licht und Rollos für den Bundesrat

Sowohl der Bundesrat als auch der Nationalrat werden im Großen Redoutensaal ihre Sitzungen abhalten. Vier Beleuchtungsmodi können eingestellt werden. Für die Sitzung im Nationalrat wird etwa der gesamte Saal stark ausgeleuchtet. Neben den Lustern, die nun mit energiesparenden LED-Lampen ausgestattet wurden, kommen zusätzlich Scheinwerfer zum Einsatz.

Damit sich die 61 Bundesräte in dem für 183 Nationalratsabgeordnete konzipierten Saal nicht verloren fühlen, werden die seitlichen Sitzbereiche mit Lichteffekten ausgeblendet. Jalousien lassen den Raum kleiner und intimer erscheinen, erklärt Bauer-Hammerschmidt.

Vier verschiedene Beleuchtungsstufen stehen im "Übergangsparlament" zur Verfügung.
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Für eine lebhafte Atmosphäre sorgen die Werke des Malers Josef Mikl, die er im Zuge der Renovierung nach dem Brand 1992 schuf. Im Spiel aus Rot-, Gelb- und Blautönen, durchmischt mit bräunlich-grauen Linien, verarbeitete Mikl Szenen seiner Lieblingsautoren Elias Canetti, Johann Nestroy und Ferdinand Raimund. Im 404 Quadratmeter großen Deckengemälde hat Mikl 34 Strophen des Gedichts "Jugend" von Karl Kraus handschriftlich, für die Betrachter nicht sichtbar, festgehalten.

Gute Plätze für Hinterbänkler

Die Sitzungsbänke, aber auch das Nationalratspräsidium sind flacher angeordnet als im alten Saal im Parlamentsgebäude am Ring. "Wir haben dadurch ganz andere Blickachsen und Sichtverhältnisse", erzählt Bauer-Hammerschmidt. Für die Stenografen wird es eine besondere Herausforderung sein, weil Zwischenrufe durch Abgeordnete nicht mehr so einfach zuordenbar sind. Eine gute Nachricht hat Bauer-Hammerschmidt für die Hinterbänkler: "Das sind super Plätze."

Die Regierungsbank ist geteilt, in der Mitte steht das barrierefreie Rednerpult. Derzeit ist die Regierungsbank für 18 Mitglieder ausgelegt, die so wie die Abgeordneten auf klassischen Bürostühlen sitzen werden. Weniger erhöht als im alten Haus ist nun auch das Nationalratspräsidium. Das Sitzungskonzept wurde vom Plan für das "richtige" Parlament am Ring übernommen.

Architektin Bettina Bauer-Hammerschmidt verantwortet das Konzept für den Sitzungssaal.
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Nie mehr leerer Akku

Ein langgehegter Wunsch vieler Abgeordneter wird nun Wirklichkeit: Jeder Platz ist mit einer Steckdose ausgestattet. Neben den "günstig gestalteten" Schubladen bieten graue Filztaschen Stauraum.

Beinfreiheit, Steckdosen und Stauraum. Das hatten sich die Abgeordneten für ihren Arbeitsplatz gewünscht.
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Abhörsichere Besprechungskabinen

Im Kleinen Redoutensaal gibt es für die Klubs in sechs abhörsicheren Kabinen die Möglichkeit, sich zu beraten. Wenn es streng geheim sein soll, können die Rollos heruntergelassen werden. Arbeitsplätze für die Klubs gibt es zudem in der Galerie des Kleinen Redoutensaals. Von hier aus blickt man auf den Josefsplatz. Damit die Fahnenstangen hier "respektabler" aussehen, ließ Bauer-Hammerschmidt dickere Fahnenstangen anschaffen.

Schalldichte Besprechungszimmer steen für sechs Parlamentsklubs zur Verfügung.
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Last but not least gibt es noch eine kleine Cafeteria. Auch hier gilt: Rauchen verboten. (Katrin Burgstaller, 14.9.2017)