Foto: Reuters / Dominic Ebenbichler

In Innsbruck stehen 3.000 Wohnungen leer

14. September 2017, 11:00

Aktuelle Mietpreiserhebungen weisen die Tiroler Landeshauptstadt als teuerste Österreichs aus. Zugleich stehen viele Objekte, vor allem Anlegerwohnungen, ungenutzt leer. Die Politik sei gefordert, Abhilfe zu schaffen

Innsbruck – Im ersten Halbjahr 2017 wurde am freien Mietwohnungsmarkt in Innsbruck erstmals die Marke von 16 Euro pro Quadratmeter im Mittelwert erreicht. Damit ist Tirols Landeshauptstadt gemäß der Erhebung eines großen Immobilienportals das teuerste Pflaster Österreichs. Auch der für Stadtentwicklung zuständige Stadtrat Gerhard Fritz (Grüne) weiß um diese Problematik: "Die Kaltmieten am freien Wohnungsmarkt liegen derzeit zwischen zwölf und 16 Euro brutto." Neben den horrenden Mieten hat Innsbruck mit einem weiteren Problem zu kämpfen: Anlegerwohnungen. Investitionen in Immobilien gelten als sichere Wertanlagen.

Leere Anlegerwohnungen

Allerdings tritt die Nutzung des Wohnraumes dabei in den Hintergrund, was zu Leerstand führt. Am angespannten Innsbrucker Wohnungsmarkt stehen deshalb im Moment rund 3.000 Wohnungen leer, wie Fritz erklärt. Die Zahl wurde über die Energieversorgung erhoben. In rund 3.000 Wohnungen wurde über den Zeitraum eines halben Jahres keine Energie verbraucht. Die Zahl ist als grober Richtwert zu sehen, doch Fritz vermutet, dass der Großteil dieses Leerstands auf Anlegerwohnungen zurückzuführen ist.

"Es gibt keinerlei gesetzliche Handhabe dagegen. Das wäre zwar wünschenswert, ist aber Bundessache", sagt Fritz. Wobei er den Leerstand am privaten Markt nicht als Hauptproblem erachtet. Die dringlichere Frage sei die, Grundstücke für geförderten Wohnbau zu finden. Denn Innsbruck braucht in den kommenden zehn Jahren gemäß Raumordnungsplan bis zu 8.000 neue geförderte Wohnungen. In der bisherigen Legislaturperiode wurden 2.000 neue geförderte Wohnungen gebaut.

Beim Verein Dowas Innsbruck, der sich für Arbeits- und Wohnungssuchende einsetzt, weiß man um das Problem des Leerstands von Anlegerwohnungen. "Es ist ein offenes Geheimnis, dass hier viel Schwarzgeld im Spiel ist", sagt Sprecher Peter Grüner. Den Eigentümern gehe es meist nicht um Wohnraum, sondern um eine Geldanlage. Doch auch Grüner sieht den freien Wohnungsmarkt nicht als Lösung für das Problem: "Da muss man sich nicht am bösen Kapitalisten abputzen."

Sozialen Wohnbau forcieren

Grüner sieht vielmehr die Politik in der Pflicht, die sich zu sozialem Wohnbau bekennen müsse. Wer den Wohnungsmarkt dem "freien Spiel der Kräfte" überlasse, dürfe sich nicht wundern, wenn es zu solchen Auswüchsen komme: "Wir wollen das nicht personalisieren oder gar Wohnungsbesitzer enteignen."

Daher pocht man seitens Dowas auf verstärkten sozialen Wohnbau. Denn die Mobilisierung von Leerstand sei zwar eine Möglichkeit, allerdings denkt Grüner nicht, dass damit wirklich eine maßgebliche Verbesserung erreicht werden könne. Er verweist auf ein Beispiel in der Innsbrucker Schlachthausgasse, wo seit Jahren eine Häuserzeile aus dem gemeinnützigen Wohnbau leersteht, weil die weitere Nutzung unklar ist. Dowas regte an, diesen Wohnraum als Übergangslösung zu nutzen. Doch feuerpolizeiliche Bestimmungen machen das unmöglich, weil die Adaptierung schlichtweg zu teuer wäre.

Insgesamt ist bei den Sozialvereinen mittlerweile "Ernüchterung eingetreten". Denn die Politik habe in den vergangenen zwei Jahren nichts verbessert, sondern die Situation noch verschärft, erklärt Grüner den Frust: "Neben der Kürzung der Mindestsicherung auf Landesebene wurden in Innsbruck die Fristen, um Mietzinsbeihilfe zu beantragen oder sich für eine Stadtwohnung bewerben zu können, deutlich erhöht." (Steffen Arora, 14.9.2017)

DER STANDARD widmet sich in einer neuen Serie den politischen Zusammenhängen von Leerstand und recherchiert zu ungenutzten Objekten in ganz Österreich. Hier finden Sie alle Serienteile.

Wundern Sie sich, warum das Jugendstilhaus um die Ecke seit Jahren leer steht? Fragen Sie sich, was mit dem Brachland in Ihrer Gemeinde passieren soll? Schreiben Sie uns an leerstand@derStandard.at!