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Arbeitsklimaindex: Jede zweite Frau verdient nicht genug zum Leben

14. September 2017, 14:41

Bei 54 Prozent der Arbeitnehmerinnen reicht das Einkommen laut AK "nicht oder gerade noch"

Wien – Trotz Berufstätigkeit sind viele Frauen in Österreich noch immer nicht finanziell unabhängig. Bei 54 Prozent der Arbeitnehmerinnen reicht das Einkommen "nicht oder gerade noch aus", geht aus dem Arbeitsklimaindex der Arbeiterkammer Oberösterreich hervor, den die Meinungsforschungsinstitute Ifes und Sora anhand von Befragungen erstellt haben. 2016 waren es 55 Prozent.

"Es bleibt nicht aus – wenn man die Möglichkeiten für Frauen verbessern will, geht es nicht nur um die Ausbildung, sondern auch um die Rahmenbedingungen, zum Beispiel um annähernd vollzeittaugliche Kinderbetreuung", sagte AK-OÖ-Präsident Johann Kalliauer am Donnerstag bei einer Pressekonferenz in Wien. Hier gebe es auch ein starkes Stadt-Land-Gefälle. In ländlichen Gebieten sei es weitaus schwieriger, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bekommen.

Rechnet man alle weiblichen und männlichen Arbeitnehmer zusammen, kommen derzeit 47 Prozent mit ihrem Verdienst nicht oder nur schwer über die Runden, 2016 waren es 48 Prozent. Der Anteil jener, die nicht mit dem Geld auskommen, ist etwas zurückgegangen. "Das ist zum Teil der Lohnsteuerreform geschuldet – da ist netto wieder mehr angekommen", so der AK-Präsident.

Kluft auch bei Vollzeit größer

Doch das löse nicht das Problem der Einkommensunterschiede zwischen Männern und Frauen. Frauen verdienten im Schnitt deutlich weniger als Männer und kämen weniger gut mit ihrem Einkommen aus. "Das hat sich in den vergangenen 20 Jahren nicht verbessert – auch bei Vollzeit arbeitenden Männern und Frauen wird die Kluft immer größer", bemerkte Christoph Hofinger vom Sora-Institut. Zudem seien in dieser Zeit auch sehr viele weibliche Teilzeitjobs dazugekommen.

"Jemandem mit geringem Einkommen wird man nicht mit geringen Steuern helfen können", meinte Kalliauer. "Ein Instrument ist sicher eine stärkere Anhebung der Mindestlöhne – es muss jetzt ohne längere Verschnaufpause weitergehen in Richtung 1.700 Euro." Auf 1.500 Euro pro Monat haben sich die Sozialpartner geeinigt. Noch nicht ausgereizt sei auch die Möglichkeit, die Einkommensunterschiede im jeweiligen Betrieb transparent zu machen. "Diese Einkommenstransparenz gibt die Möglichkeit, genauer darauf zu schauen."

Neben Frauen in Teilzeitjobs haben es auch diejenigen schwer, mit ihrem Verdienst auszukommen, die nur über einen Pflichtschulabschluss verfügen und danach keine Lehre oder andere Ausbildung absolviert haben. Es gibt auch immer weniger Arbeitsplätze für Geringqualifizierte. "Die Lage für Pflichtschulabsolventen ohne weitere Ausbildung ist besonders prekär", bekräftigte Sozialforscher Reinhard Raml vom Ifes-Institut.

Ein Viertel hat ein Problem

Kalliauer räumte insgesamt eine "Entspannung am Arbeitsmarkt" ein – die Zahl der Arbeitslosen ist zuletzt gesunken. Doch: "Wir haben einen stabilen Anteil, der nur die Pflichtschule hat. Eine abgeschlossene Lehre hat einen Wert, egal was man lernt – eine Lehre wird einfach als Bonuspunkt gesehen und erhöht die Chancen am Arbeitsmarkt."

"Drei Viertel der Arbeitssuchenden sind relativ rasch vermittelbar, doch ein gutes Viertel hat wirklich ein Problem", so Kalliauer. Als positiv strich er hervor, dass Instrumente der Politik wie die Ausbildungspflicht bis zum Alter von 18 Jahren, die seit 1. September gilt, "vom Ansatz her durchaus richtig" seien.

Generell ist die Zufriedenheit der Österreicher mit ihren Löhnen und Gehältern laut Arbeitsklimaindex zuletzt gestiegen. Zwei Drittel der Beschäftigten sind demnach mit ihrem Einkommen zufrieden.

Ob der Trend in Richtung besseres Auskommen mit dem Verdienst anhalte, sei "schwer abschätzbar", sagte der AK-Präsident. "Das hängt von den nächsten Gehaltsrunden ab und davon, wie stark die Kosten für Wohnen, Energie, Nahrung et cetera steigen." Entscheidend sei auch, ob die Selbstbehalte weiter steigen, also wie viel beim Arzt aus einer Tasche zu bezahlen sein wird. Kalliauer: "Ich glaube, dass es eine weitere Reform des Steuersystems braucht – die Steuerreformwirkung ist irgendwann verpufft." (APA, 14.9.2017)