"Wichtigster Job der Republik": Neos wollen Lehrer stärken

14. September 2017, 15:09

Bessere Bezahlung gefordert – Statt dem Lehrerdienstrecht soll laut Neos-Vorstellung ein Rahmenkollektivvertrag gelten

Wien/Lustenau – Die Neos wollen den Lehrern den Rücken stärken. In ihrem am Donnerstag im Zuge des Wahlkampfes präsentierten "Chancen-Plan" zur Bildung sprach Spitzenkandidat Matthias Strolz vom "wichtigsten Job der Republik". Mit Anreizen wollen die Neos Akademiker und andere Experten für den Pädagogen-Beruf gewinnen. Anstelle des Lehrerdienstrechts solle künftig ein Rahmenkollektivvertrag gelten.

"Ein gut funktionierendes Bildungssystem ist die beste Sozialpolitik, Arbeitsmarktpolitik und Integrationspolitik", setzt Strolz weiterhin auf sein Lieblingsthema Bildung, in dem er einen "Allzweckschlüssel" sieht. In Österreich passe dieser aber nicht immer. SPÖ und ÖVP hätten bei diesem Thema viele Jahre weggeschaut. Die Neos haben daher ein "Chancen- und Innovationspaket" im Umfang von 400 Millionen Euro erarbeitet.

Für Strolz muss etwa selbstverständlich sein, dass alle Kinder mit sechs Jahren Deutsch können – "und das muss entsprechend mit Budgets ausgestattet sein". Kernstück hierbei sei ein "Chancen-Bonus" für Österreichs Schulen, mit denen sie ein Zusatzbudget lukrieren können, über das sie autonom verfügen. Schüler, die der Unterrichtssprache Deutsch nicht folgen können, müssten verpflichtende Deutsch-Förderkurse in den letzten beiden Ferienwochen besuchen.

Bessere Bezahlung gefordert

Wichtig ist für die Neos auch, dass der Lehrer- und Pädagogen-Beruf wieder "attraktiver" wird. Eine bessere Bezahlung, kleinere Gruppen zur besseren Betreuung und insgesamt eine Aufwertung des Berufs forderte Listenzweite Irmgard Griss speziell für den Kindergarten. Wichtig sei aber auch, dass der Übergang zur Volksschule gut funktioniere – "das sind bisher zwei verschiedene Welten. Das Kind bleibt doch aber dasselbe".

An den Schulen müsse auch der Lehrplan diskutiert werden, findet Griss. Politische Bildung müsse auf den Lehrplan kommen. Auch Neos-Listenerster in Vorarlberg, Gerald Loacker, hält den Fächerkanon für veraltet, den Lehrplan "hoffnungslos überladen". Jeder oder jede 15-jährige verbringe heute fünf bis sieben Stunden vor dem Smartphone – "es ist unumgänglich, dass wir dafür sorgen, dass sie ein entsprechendes Rüstzeug mitbekommen", so Loacker, der kritischen Umgang mit digitalen Medien gelehrt sehen will.

"Mehr Wertschätzung" wünschen sich die Neos für die Lehrer. Das Lehramtsstudium solle mit einem "vielschichtigen, selektiven Aufnahmeverfahren" ausgestattet werden, das verstärkt auf soziale Kompetenzen abzielt. Um die bestmöglichen Experten aus der Praxis – Stichwort Quereinsteiger – zu gewinnen, bedürfe es eines flexibleren Gehaltssystems, das sich an den branchenüblichen Gehaltsniveaus orientieren kann. Aber auch der Umstieg von Lehrern in andere Berufe solle leichter werden. (APA, 14.9.2017)