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Facebook ließ Werbung bei "Judenhassern" schalten

15. September 2017, 08:34

Investigative Journalisten von "Pro Publica" konnten Werbung bei Fans der "SS" und Antisemiten platzieren

Wer bei Facebook wirbt, kann sich eine Zielgruppe aussuchen. Man kann sich etwa dafür entscheiden, seine Werbung bei bestimmten Altersgruppen auszuwählen. Es geht aber noch detaillierter: So kann man mit Anzeigen jene Nutzer ins Visier nehmen, die angegeben haben, gerne Yoga zu machen (was die Grünen in Österreich taten) oder etwa Fans von bestimmten Videospielen zu sein. Nun haben die investigativen Journalisten von "Pro Publica" aufgedeckt, dass Facebook auch Antisemiten und Neonazis als Zielgruppe erlaubte.

SS-Fans

"Pro Publica" konnte auf Facebook Werbung bei Menschen schalten, die sich für die Themen "Judenhasser", "Wie man Juden verbrennt" oder "Die Geschichte davon, wie Juden wie Welt ruinierten" interessierten. Dasselbe war im neonazistischen Kontext möglich, etwa bei Fans der SS oder Anhängern von "Hitler hat nichts falsch gemacht".

Maschinell erstellte Kategorien

Facebook sperrte die Kategorien nach ersten Anfragen sofort. "Wir wissen, dass wir mehr tun müssen", gab ein Facebook-Manager an. Die Kategorien werden von einem Algorithmus erstellt und sofort freigeschaltet. Künftig könnten sie etwa von Menschen überprüft werden.

Vorgeschichte an Skandalen

Es ist nicht das erste Mal, dass Facebook wegen seiner Werbeanzeigen in die Kritik gerät. So wurde etwa aufgedeckt, dass Immobilienmakler explizit Schwarze, Hispanier oder Asiaten von der Bewerbung ihrer Wohnungen ausschließen konnten. Außerdem spielen die Werbeanzeigen eine Rolle in der Untersuchung der US-Wahl, die durch russische Geheimdienste beeinflusst worden sein soll. So sollen russische Unternehmen gezielt Werbungen an Trump-Anhänger geschaltet haben. (red, 15.9.2017)