Mit Objekten verschmelzen, leicht gemacht!

Kolumne |
15. September 2017, 12:00

Über tolle neue Zukunftsprojekte

O Jahrhundert! O Wissenschaften: Es ist eine Lust zu leben! Der rasend dahingaloppierende technische Fortschritt beschert uns von Tag zu Tag neue Sensationen: bessere Computer, bessere Autos, bessere Apps, bessere Wasserstoffbomben und natürlich jede Menge Geräte, die immer besser mit dem menschlichen Körper interagieren.

Nehmen wir nur das Beispiel der digitalen Selbstvermessung. Brandneue Gadgets erlauben es uns, in Echtzeit festzustellen, ob die roten Blutkörperchen im grünen Bereich sind, wie sich das persönliche Onanierverhalten auf das Gesamtcholesterin auswirkt und ob der Blutzuckerspiegel nach zwei belegten Baguettes und einer halben Sachertorte die Tausendermarke durchstoßen hat oder nicht (sollte Ihr Blutzuckerspiegel lahmarschig sein und die Tausend nicht geschafft haben: einfach drei Gläser Himbeersirup nachtrinken!).

Dank neuer technischer Errungenschaften können die Ärzte alle möglichen Objekte in den Körper implantieren, und lange wird es nicht mehr dauern, bis wir uns mit ins Hirn eingepassten Intelligenzchips auf jede erforderliche Klugheitsanforderung unserer Umwelten einstellen können. Mit einem unauffällig in die Achselhöhle eingebauten Regler wird es möglich sein, nahtlos zwischen einem Dumpfgummi- und einem Geniemodus hin und her zu changieren (der Dumpfgummimodus ist vorteilhaft, wenn man unter fünf volltrunkenen Bierdimpfln im Vorstadtbeisl das Gefühl haben möchte, so geistreich habe man sich noch nie unterhalten).

Die größten Fortschritte im Zusammenwachsen von Mensch und Objekt verspricht aber die Gentechnologie. Man lässt schlicht ein eigenes Gen mit dem Gen eines Objektes, mit dem man verschmelzen möchte, kombinieren. So legt man den Grundstein zu exquisiten Mischwesen, gegen die die Chimären und Kentauren der Vergangenheit Waisenkinder sind.

Die Kreuzung des Menschen mit dem Pfirsich ergibt Wesen mit einem Kern und äußerst zarter Haut; wer zu blass ist, sollte sich mit einer Tomate kreuzen lassen, und wem unsere Fortbewegungsart auf zwei Beinen zu langsam erscheint, wird mit einem Lamborghini-Gen, bei dem einem Reifen statt Beine wachsen, gut bedient sein. Funktionieren tut das alles blendend. Man muss sich nur entscheiden, ob man nächtens lieber ins Bett oder in die Garage schlafen geht. (Christoph Winder, Album, 15.9.2017)